Reisanbau. Foto: CGIARBremen (epo.de). - Auf der Suche nach einer umweltfreundlichen Methode zur Düngung von Reispflanzen ist Forschern der Universität Bremen jetzt ein wichtiger Durchbruch gelungen. Sie entschlüsselten das Genom eines Bakteriums, das Stickstoff als Dünger ersetzten könnte. Stickstoff muss mit hohem Energieaufwand produziert werden, außerdem dünsten die Nassreisfelder in Asien und Amerika verstärkt Treibhausgase aus und heizen so den Klimawandel an.

Die Professorin Barbara Reinhold-Hurek und ihr Mann Dr. Thomas Hurek vom Laboratorium für Allgemeine Mikrobiologie der Universität Bremen entdeckten schon vor Jahren im pakistanischen Kallar-Gras das Bakterium Azoarcus Stamm BH72. Es versorgt die Pflanze mit Nährstoffen, indem es Stickstoff aus der Luft in den Wurzeln in Ammonium umwandelt - und Ammonium hat düngende Wirkung. Das Bakterium lebt in symbiotischem Einklang mit der Nutzpflanze. Weil es seinen Wirt (im Gegensatz zu Parasiten) nicht zerstört, wird es als Endophyt bezeichnet.

Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Genomforschungsnetzwerks, das von Professor Alfred Pühler (Universität Bielefeld) koordiniert wird, wurde das Genom des Bakteriums Azoarcus Stamm BH72 jetzt entschlüsselt. "Kern unserer Arbeit ist es, den Reis als weltwirtschaftlich wichtigste Pflanze ohne externe Düngung mit Nährstoffen zu versorgen", erklärt Thomas Hurek. Der Reisanbau könnte damit umweltfreundlicher, ertragreicher und kostengünstiger als bisher gestaltet werden.

"Wo vorher viel Dunkel herrschte, in dem wir herumstocherten, ist es jetzt taghell geworden", sagt Barbara Reinhold-Hurek zu diesem Forschungserfolg. "Die 'Landkarte' des Bakteriums liegt jetzt in allen Details vor uns." Das genaue Wissen um die genetische Beschaffenheit des Bakteriums erleichtert dem Forscher-Ehepaar die Arbeit bei dem Versuch, den Zusammenhang zwischen dem Bakterium und der Nährstoffversorgung der Reispflanze zu enträtseln.

Reis ist besonders im asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Raum überlebenswichtig. Jährlich werden rund 600 Millionen Tonnen davon geerntet - mit steigender Tendenz. Im Kampf gegen den Hunger spielt Reis eine enorme Rolle. Mit Sorten-Kreuzungen versuchen Pflanzenforscher weltweit, Reis noch gehaltvoller und ertragreicher zu machen. Reisproduzenten wiederum setzen vor allem auf intensive Düngung mit Stickstoff, um den Ertrag pro Hektar in die Höhe zu treiben. "Allein in China werden pro Jahr über 20 Millionen Tonnen Stickstoffdünger eingesetzt", weiß Barbara Reinhold-Hurek.

Die intensive Düngung hat allerdings auch erhebliche Nachteile. So ist der Energieaufwand bei der synthetischen Herstellung des Kunstdüngers enorm hoch. Bei steigenden Preisen für Energien wie Öl oder Gas wird auch der Dünger immer teurer - und damit unerschwinglich für viele arme Reisbauern und ihre Familien, deren Überleben von der Nutzpflanze abhängt. Für jede Tonne Ammoniak als Ausgangsstoff für Stickstoffdünger wird fast eine Tonne Erdgas benötigt. Außerdem dünsten durch Stickstoff gedüngte Nassreisfelder in Asien und Amerika verstärkt Treibhausgase aus. "Und das kann in der Atmosphäre deutlich zur Erwärmung der Erde beitragen", so Thomas Hurek.

NOCH VIELE FRAGEN OFFEN

Das Interesse an der entschlüsselten Genomsequenz des Bakteriums resultierte aus dem Bestreben, ein System von passenden Partnern für verschiedene Reissorten und das Bakterium zu bilden. "Dazu müssen wir aber viele Fragen beantworten, auf die wir noch keine Antworten haben", so Barbara Reinhold-Hurek. "Wie gelangt das Bakterium in die Pflanze? Was beschränkt eine erfolgreiche Besiedlung? Gibt es je nach Wirt Unterschiede? Warum ist die Bakteriendichte in den Pflanzen so ungewöhnlich hoch, und warum erkrankt die Pflanze nicht daran?"

Weil nun auch das Bakterium als Partner lückenlos bekannt ist, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Über Mutationsanalysen lassen sich schnelle Fortschritte erzielen. "Wir können jetzt einzelne Gene einfach an- und abschalten und schauen, was passiert", erläutert die Wissenschaftlerin. "Die Genomentschlüsselung hat gezeigt, dass Endophyten sozusagen entwaffneten Pflanzen-Krankheitserregern ähneln."

Herausgefunden wurde bereits, dass das Bakterium kaum Enzyme produziert, die normalerweise schädigende Wirkung auf Pflanzen haben. Auch andere Faktoren, die mögliche Erkrankungen der Pflanze begünstigen können, sind bei diesem Zusammenspiel von Bakterium und Wirt nicht vorhanden. "Viele Krankheitserreger von Menschen und Pflanzen haben normalerweise regelrechte 'Giftspritzen', mit denen sie Eiweiße aus den Bakterien in ihre Wirte injizieren", erläutert Thomas Hurek - "unser Bakterium nicht."

Barbara Reinhold-Hurek: "Wir haben im Bakterium viele Gene gefunden, die unseres Erachtens wichtig für die Wechselwirkung mit der Pflanze sind. Jetzt können wir sie analysieren. Diese Möglichkeit hatten wir vorher nicht, weil uns die Gene schlicht unbekannt waren." Die Aufdeckung der Bakterien-"Landkarte" ermögliche weitere Fortschritte: "Das ist die Basis, um schneller voranzukommen!"

Universität Bremen


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