Bochum (epo.de). - Die eine entwarf praktische Lösungen für die Wasserkrise in Entwicklungsländern, der andere schaute den Gebern und Nehmern von Entwicklungshilfe genau auf die Finger: Für ihre herausragenden Dissertationen wurden vor kurzem zwei Absolventen des Instituts für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE) der Ruhr- Universität Bochum geehrt.

Dr. Andrea Kramer erhielt den ADLAF-Preis 2006 der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung (ADLAF), Dr. Augustine Magolowondo aus Malawi bekam den Entwicklungsländerpreis der Justus-Liebig-Universität Gießen. Die Nachwuchswissenschaftler schrieben ihre Doktorarbeiten im Graduiertenkolleg Systemeffizienz und Systemdynamik in Entwicklungsländern des IEE. Sie sind Absolventen des Masterstudiengangs Development Management.

Unter dem Titel "Dezentralisierung in der Wasserversorgung" erstellte Dr. Kramer eine rechtsvergleichende Studie über die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung in Bolivien, Ekuador und Peru (Betreuer: Prof. Dr. Joachim Wolf, Öffentliches Recht). Ihr Fazit für die drei Andenstaaten: Es mangelt nicht am Willen der Gesetzgeber die Wasserkrise zu lösen, sondern an der Umsetzung. Die Instrumente und Verfahren seien "nur eingeschränkt dazu geeignet, die gesetzgeberischen Ziele zu erreichen. In allen drei Staaten bestehen erhebliche Mängel in der Struktur des Regelwerks."

Kramer kritisiert vor allem, dass der Gesetzgeber häufig gegen die Grundsätze der Logik verstosse und die Rechtsordnung nicht als Ganzes berücksichtige. Diese - teils mangelhaften - Gesetze dann konkret umzusetzen, werde zusätzlich durch Regelungslücken sowie fehlende Ausführungsvorschriften erschwert. Erforderlich seien daher umfangreiche Reformen des öffentlichen Sektors: "Ohne Verbesserung der rechtsetzenden Technik und der Implementation des Rechts werden die rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen kaum zur Lösung der Weltwasserkrise beitragen können", so Dr. Kramer.

Dr. Augustine Magolowondo untersuchte das Verhältnis von Gebern und Nehmern in der Entwicklungshilfe am Beispiel der Demokratisierungshilfe. Die Arbeit ist eine vergleichende Studie jeweils zweier bilateraler und multilateraler Entwicklungsagenturen und ihrer Implementationsstrategien am Beispiel Malawi.

Magolowondos Fazit: Die Interessen und Ziele der Geldgeber, vor allem aber ihre Vorstellung und ihr eigenes Modell von Demokratie ("home model") spielen die zentrale Rolle in diesem Prozess - sie "formen" die Ziele und Maßgaben, die mit der Entwicklungszusammenarbeit verbunden sind.

"Die Dissertation argumentiert auf einem hohen theoretischen Niveau und bietet einen wichtigen Beitrag zur bedeutsamer werdenden Debatte um die politischen Aspekte von Entwicklung und Good Governance", heißt es in der Laudatio für den Justus-Liebig-Preisträger 2006. "Diese Arbeit ist nicht nur analytisch eindrucksvoll, sondern sie präsentiert auch eine Menge praktischer Perspektiven für die Umsetzung von Good Governance im schwierigen Arbeitsfeld zwischen Gebern und Nehmern in der Entwicklungspartnerschaft."

Betreut wurde die Dissertation von Prof. em. Dr. Uwe Andersen (Politikwissenschaft, RUB) und Prof. Dr. Christof Hartmann.

Ruhr-Universität Bochum


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