EIRENENeuwied (epo.de). - Der Internationale Christliche Friedensdienst EIRENE besteht seit 50 Jahren. Den Impuls zur Gründung gab am 18. Februar 1957 in Genf der damalige Generalsekretär des Weltkirchenrates, der Niederländer Dr. Willem Visser't Hooft, als er Vertreter verschiedener Friedenskirchen zu einem Gespräch in sein Büro einlud. Visser't Hooft hatte kurz zuvor Flüchtlingslager in Marokko besucht, wo algerische Flüchtlinge aus Angst um ihr Leben Zuflucht vor dem Unabhängigkeitskrieg in Algerien gesucht hatten. Er stand noch unter den Eindrücken dieser Erlebnisse und war überzeugt, dass eine Versöhnungsarbeit unbedingt notwendig sei.

"Nicht bei den Regierungen, sondern unter den gewöhnlichen Bürgern müsste man die christliche Botschaft von Vergebung und Versöhnung proklamieren. Und nicht soviel in Worten als im praktischen und sichtbaren Beispiel des Dienstes müsse das geschehen", schrieb Peter Dyck, mennonitischer Pfarrer aus den USA, der damals zusammen mit der Brüderkirche, den Quäkern und dem Internationalen Versöhnungsbund den Impuls aus Genf aufnahm. Zeitgleich wurde in Deutschland der Militärdienst wieder eingeführt und die Friedenskirchen wollten jungen Menschen die Möglichkeit anbieten, anstelle des Wehrdienstes einen Freiwilligendienst für Frieden und Versöhnung im Ausland zu leisten.

So dauerte es gerade einmal ein halbes Jahr, bis der Friedens- und Entwicklungsdienst EIRENE im September 1957 in Chicago/USA offiziell gegründet wurde. Noch im Herbst desselben Jahres reisten die ersten Freiwilligen zu einem Friedensdienst nach Marokko aus. Wenige Jahre später erhielt EIRENE den offiziell anerkannten Status als Personalentsendedienst im Rahmen des Entwicklungshelfergesetzes und weitete sein Tätigkeitsfeld mit der Entsendung von Fachkräften in den Niger, den Kongo und den Tschad in Afrika aus. Ende der 70er Jahre reisten die ersten Freiwilligen und Fachkräfte nach Lateinamerika aus, wo sich das mittelamerikanische Land Nicaragua bis heute zu einem Schwerpunktland der Unterstützungsarbeit von EIRENE entwickelt hat.

Zu den Besonderheiten der ökumenischen Organisation EIRENE gehört bis heute, dass sie neben der Entsendung von Fachkräften in Entwicklungsländer auch ein Freiwilligenprogramm unterhält, in dem junge und ältere Menschen für mindestens ein Jahr soziale Projekte im Bereich der Versöhnungsarbeit, der Behindertenarbeit, der Obdachlosenhilfe oder der Lobbyarbeit in den USA, Kanada sowie West- und Osteuropa unterstützen. Derzeit sind jährlich mehr als 100 Fachkräfte und Freiwillige mit EIRENE im Ausland tätig.

Auch die Gehaltsstruktur in der Geschäftsstelle der Organisation in Neuwied, in der heute über 20 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Friedens- und Entwicklungsarbeit koordinieren, weckt immer wieder die besondere Aufmerksamkeit. Denn vor 20 Jahren beschlossen und bis heute umgesetzt, erhalten alle festen MitarbeiterInnen der Geschäftsstelle, von der Sekretärin bis zu Geschäftsführerin, dasselbe Gehalt. "Diese freiwillig reduzierte Gehaltsstruktur in Anlehnung an BAT Va. wird auch heute noch als Zeichen der Solidarität gegenüber unseren Projektpartnern und gegenüber unseren Spenderinnen und Spendern durchgetragen. Wir wollen damit auch deutlich machen, dass sich Lebensqualität nicht allein durch materielle Werte definieren lässt", sagt Gisela Kurth, stellvertretende Geschäftsführerin von EIRENE.

"Verständnis füreinander braucht Begegnung!" Unter diesem Motto arbeiten die EIRENE-Freiwilligen weltweit für Frieden und Gerechtigkeit, um einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Versöhnung zu leisten. 1.700 Menschen im Alter zwischen 18 und 73 Jahren haben seit der Gründung vor 50 Jahren einen Friedensdienst mit EIRENE geleistet, mehrere hundert Entwicklungsprojekte hat EIRENE in Afrika und Lateinamerika gefördert. Mit einem Gesamthaushalt von ca. 3,5 Millionen Euro ist aus dem Friedensimpuls in Genf im Jahre 1957 eine international tätige Friedens- und Entwicklungsorganisation entstanden.

"Das wir uns immer strikt gegen militärische Lösungen von Konflikten ausgesprochen und in der Förderung zivilgesellschaftlicher Gruppen immer den wichtigeren Beitrag für den Weltfrieden gesehen haben, entspricht der generellen gewaltfreien Überzeugung unserer Gründerorganisationen", so EIRENE-Sprecher Thomas Oelerich.

Auch weiterhin steht die Organisation der zuletzt verstärkt diskutierten zivil-militärischen Zusammenarbeit äußerst skeptisch gegenüber. Militäreinsätze in Bosnien, im Kosovo, in Afghanistan oder im Kongo wurden von EIRENE immer abgelehnt. Statt der immensen Ausgaben in Militäreinsätze solle die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft in Frieden schaffende Aufbau- und Entwicklungsmaßnahmen investieren. "Dass sich die Bundeswehr nun auch mit Tornado-Flugzeugen am Krieg in Afghanistan beteiligt, der ganz offenbar mehr Hass erzeugt als das er zum Frieden beiträgt, halten wir für einen Skandal", kritisiert Thomas Oelerich die sich abzeichnende Zustimmung des Afghanistan-Einsatzes durch den Bundestag.

www.eirene.org


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