ILOGenf (epo.de). - Mehr Frauen als je zuvor sind erwerbstätig. Aber in Hinblick auf Löhne, Arbeitsplatzsicherheit, Status und Ausbildung besteht weiterhin eine gewaltige Kluft zwischen Frauen und Männern. Diese trage zu einer "Verweiblichung der Armut unter den Erwerbstätigen" bei, so das Ergebnis einer neuen Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März.

Der Untersuchung "Globale Beschäftigungstrends bei Frauen" zufolge waren noch nie so viele Frauen auf den Arbeitsmärkten aktiv, was bedeutet, dass mehr Frauen denn je einer Erwerbsarbeit nachgehen oder Arbeit suchen. Die ILO schätzt, dass im Jahr 2006 1,2 Milliarden der insgesamt 2,9 Milliarden Erwerbstätigen auf der Welt Frauen waren.

Doch die ILO stellt auch fest, dass weltweit noch nie so viele Frauen arbeitslos waren - nämlich 81,8 Millionen - oder sich mit wenig produktiven, schlecht bezahlten Jobs abfinden mussten, vor allem in der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor. Bei Frauen beläuft sich der ILO zufolge die globale Arbeitslosenrate 2006 auf 6,6 Prozent (nach 6,3 Prozent vor zehn Jahren), bei Männern dagegen nur auf 6,1 Prozent (1996: 5,9 Prozent).

"Trotz einiger Fortschritte bleiben immer noch viel zu viele Frauen auf den am schlechtesten bezahlten Tätigkeiten sitzen, oft im informellen Sektor mit unzureichendem rechtlichen Schutz und geringer oder gar keiner Sozialversicherung, dafür aber mit einem hohen Grad von Unsicherheit", sagte der Generaldirektor der ILO, Juan Somavia. Als Beitrag zur Lösung dieser Probleme fördere die ILO die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit. Damit seien Arbeitsplätze gemeint, bei denen Arbeitsnormen eingehalten werden und die hinreichend produktiv sind, um damit den Lebensunterhalt sichern zu können.

"Die Förderung menschenwürdiger Arbeit ist ein zentrales Instrument im weltweiten Streben nach Gleichberechtigung", so Somavia. "Sie leistet einen wichtigen Beitrag, um Chancen und Einkommen von Frauen zu verbessern und so zahlreiche Familien aus der Armutsfalle zu befreien." Andernfalls drohe sich die Verweiblichung der Armut auf die nächste Generation zu übertragen, warnen die Autoren der Studie.

Viele Frauen erhalten überdies weniger Geld als Männer für die gleiche Arbeit. Die nähere Untersuchung von sechs Berufsgruppen (Buchhaltung, Informatik, Grundschullehre, Hotelrezeption, Fabrikarbeit, Krankenpflege) ergab, dass Frauen in den meisten Regionen der Welt nur etwa 90 Prozent dessen verdienen, was ihre männlichen Kollegen bekommen, oft sogar weniger. Das trifft auch auf als typisch weiblich angesehene Berufe zu wie Krankenschwestern oder Grundschullehrerinnen. Ausnahmen stellen die osteuropäischen Länder und die ehemaligen Sowjetrepubliken dar, wo Frauen gerade in qualifizierten Berufen oft mehr verdienen als Männer.

Der Studie zufolge ist heute mit 47,9 Prozent ein deutlich höherer Anteil der Frauen erwerbstätig als noch vor zehn Jahren, als es nur 42,9 Prozent waren. Doch nach wie vor nutzen viele Volkswirtschaften das produktive Potenzial ihrer Bevölkerung nur unzureichend: Nur die Hälfte aller Frauen über 15 Jahren ist erwerbstätig. Bei Männern beträgt die Beschäftigungsquote immerhin 70 Prozent. Am ausgeprägtesten ist das Ungleichgewicht im Nahen Osten und Nordafrika, wo nur 20 Prozent der Frauen erwerbstätig sind.

Je ärmer das Land, desto höher ist überdies die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen als unbezahlte mithelfende Familienangehörige eingesetzt werden oder dass sie mit extrem schlechter Bezahlung auf eigene Rechnung arbeiten. Der Schritt von dort zu einer sozial abgesicherten Erwerbsarbeit wäre für unzählige Frauen in Schritt zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung. Doch in Afrika südlich der Sahara und in Südostasien sind laut ILO immer noch vier von zehn arbeitenden Frauen als mithelfende Familienangehörige tätig und in den südasiatischen Ländern sogar sechs von zehn, während es bei den Männern jeweils nur zwei von zehn sind.

Positiv sei, dass deutlich weniger Frauen Analphabetinnen sind als noch vor zehn Jahren, so die ILO. Dennoch seien beim Zugang zu Bildung die meisten Regionen noch weit entfernt von Gleichberechtigung. Zudem seien 60 Prozent der Schulabbrecher Mädchen. Meist sind sie gezwungen, die Schule zu verlassen, um im Haushalt zu helfen oder arbeiten zu gehen. Werden Frauen daran gehindert, wenigstens eine Grundausbildung zu erhalten, so schränkt dies ihre Chancen stark ein, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden und ein Leben in Armut zu vermeiden, so die Studie.

In der letzten Untersuchung über "Globale Beschäftigungstrends bei Frauen" im Jahr 2004 kam die ILO zu der Einschätzung, dass Frauen weltweit schätzungsweise 60 Prozent der so genannten arbeitenden Armen (working poor) stellen. Damit sind Menschen gemeint, die trotz Erwerbstätigkeit nicht genug verdienen, um sich und ihre Familien über die absolute Armutsgrenze von ungerechnet einem US-Dollar pro Tag und Person zu heben. Der aktuellen Untersuchung zufolge "gibt es keinen Anlass zur Annahme, dass sich die Situation spürbar verbessert hat".

www.ilo.org


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