GermanwatchHamburg (epo.de). - Die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch hat auf dem 2. Extremwetterkongress in Hamburg gemeinsam mit der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) den Globalen Klima-Risiko-Index 2007 vorgestellt. Der Index vergleicht alle Staaten der Welt hinsichtlich der Betroffenheit durch extreme Wetterereignisse wie Hurrikans, Überschwemmungen oder Hitzewellen, einmal für das Jahr 2005 sowie für die letzten zehn Jahre.

"Im Jahr 2005 war nach dieser Gesamtanalyse Guatemala am stärksten von Wetterextremen betroffen, mit Schäden und Todesopfern, die weit über dem langjährigen Durchschnitt lagen", sagte Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung bei Germanwatch. Den zweiten Rang belegten die USA vor Rumänien und Indien. Für Deutschland ergibt sich in der Gesamtbilanz Platz 37, mit ähnlichen Schadens- und Opferzahlen wie 2004. Wenn man die Wetterkatastrophen der letzten zehn Jahre betrachtet, sind Honduras, Bangladesch, Nicaragua und Vietnam am stärksten betroffen. Deutschland landet in dieser Auswertung auf Platz 11.

Die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, wurde deutlich härter getroffen als in den vorausgegangenen Jahren. Dies lag Germanwatch zufolge an der extremen Hurrikan-Saison. Die USA tragen den größten absoluten wirtschaftlichen Schaden. "Setzt man allerdings die Schadenssummen ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Landes, so ändert sich das Bild" erklärte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch. "Denn trotz der Rekordschäden von mehr als 160 Mrd. US-Dollar war in den USA der Schaden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung deutlich geringer als in Guatemala oder Kuba. Die USA landeten hier nur auf Platz 9."

Sarah Reinke von der Gesellschaft für bedrohte Völker unterstrich bei der Vorstellung des Klima-Risiko-Index, dass der Klimawandel insbesondere die Lebensbedingungen der indigenen Völker und anderer häufig benachteiligter Bevölkerungsgruppen negativ beeinflusst. "Für viele indigene Gruppen sind weltweit die Folgen des Klimawandels gleichbedeutend mit schwersten Menschenrechtsverletzungen", so Reinke. Viehherden von afrikanischen Nomaden, wie den Turkana im Nordwesen Kenias, seien in den letzten Monaten in sintflutartigen Regenfällen ertrunken. Zuvor hatten jahrelange Dürreperioden das Weideland zerstört.

Der Klimaexperte Prof. Dr. Christian Schönwiese von der Universität Frankfurt am Main ergänzte, dass die Klimawissenschaft mit Aussagen über die Entwicklung von Wetterextremen sehr vorsichtig sei. "Es zeigt sich jedoch vielfach die fatale Entwicklung, dass niederschlagsreiche Gebiete noch niederschlagsreicher werden und niederschlagsarme noch trockener." Der jüngste Bericht des UN-Klimawissenschaftlergremiums IPCC weise deutlich auf die Notwendigkeit hin, mit Klimaschutz jetzt ernst zu machen, um die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen. "Dazu müssen die globalen Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts um 50% gegenüber 1990 sinken, die der Industrieländer um mindestens 30% bis 2020", so Schönwiese.

"Die Analysen machen eines deutlich: Bei der Bewältigung der uns bevorstehenden Konsequenzen des Klimawandels sitzen wir alle im selben Boot - arme und reiche Menschen und Gesellschaften -, aber auf verschiedenen Decks des Schiffes", sagte Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung bei Germanwatch. "Die einfachen Passagiere übernachten in den unteren Decks, die Rettungsboote liegen auf den oberen!" Im Sinne des Verursacherprinzips stünden daher die Hauptverursacher des Klimawandels in der Verantwortung: Sie müssten die Menschen in Entwicklungsländern und die indigenen Völker bei ihren Bemühungen stärker unterstützen, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen.

Der Globale Klima-Risiko-Index basiert auf Daten des renommierten Bereichs GeorisikoForschung "NatCatService" der Münchener Rück und setzt diese mit anderen Wirtschafts- und Bevölkerungsdaten internationaler Entwicklungsinstitutionen in Beziehung. Der Klima-Risiko-Index 2007 kann auf der Germanwatch-Website heruntergeladen werden.

www.germanwatch.org


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