GfbVGöttingen (epo.de). - Nigerias bedeutendste Ölregion, das Nigerdelta, versinkt zunehmend in Chaos und Gewalt. Davor hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Freitag gewarnt. So hätten die gewaltsamen Geiselnahmen seit Januar  dramatisch zugenommen. Allein in den vergangenen drei Monaten seien 64 Ausländer in der Krisenregion entführt worden, um Lösegelder zu erpressen. Im gesamten Jahr 2006 seien 70 Ausländer von Milizen entführt worden.

"Wenn Nigerias Regierung nicht endlich eine friedliche Lösung des Konflikts auf dem Verhandlungsweg mit allen 40 ethnischen Gemeinschaften des Nigerdeltas sucht, droht in spätestens zwei Jahren ein totaler Zusammenbruch der für Nigeria und viele westliche Staaten bedeutsamen Ölproduktion", sagte GfbV-Afrikaexperte Ulrich Delius. "Denn der Terror im Nigerdelta ist hausgemacht und kann militärisch nicht wirksam beendet werden, auch wenn die Sicherheitskräfte jetzt verstärkt und auch von britischen und US-amerikanischen Ausbildern trainiert werden."

Offenbar seien die Zeiten des friedlichen Widerstands der MOSOP (Bewegung für das Überleben der Ogoni) vorbei, analysierte die GfbV. Angesichts der gewaltsamen Übergriffe der Miliz "Bewegung für eine Emanzipation des Nigerdeltas" (MEND) und anderer militanter Bewegungen der verarmten 27 Millionen Ureinwohner des Deltas hätten einige Staaten ihren Bürgern bereits untersagt, im Nigerdelta zu arbeiten. So hätten die Philippinen nach der Entführung von 24 ihrer Staatsbürger den Abzug aller Arbeitskräfte aus Nigeria angeordnet.

Seit Beginn der Übergriffe der MEND Ende des Jahres 2005 habe Nigerias Ölindustrie aufgrund der Gewalt mindestens 4,5 Milliarden US-Dollar verloren, berichtet die GfbV. Seien früher rund zwei Millionen Barrel Rohöl am Tag gefördert worden, so verliere Nigeria zurzeit jeden Tag 800.000 Barrel Öl. Noch im Jahr 2004 habe das Land aufgrund von Übergriffen nur 200.000 Barrel am Tag eingebüßt. Rund 95 Prozent der Exporterlöse Nigerias stammen aus der Erdölausfuhr. Einer der größten Abnehmer sind die USA, die 14 Prozent ihrer Rohölimporte aus Nigeria beziehen.

Die anhaltende Verarmung im Nigerdelta, wo viele Menschen noch immer von weniger als einem Dollar am Tag leben müssten, sei die Triebfeder der Gewalt, so die GfbV. Während Nigeria durch den Ölexport seit den 70er Jahren mehr als 300 Milliarden US-Dollar verdient habe, klagten die Bewohner des Nigerdeltas bis heute über die katastrophalen ökologischen und gesundheitlichen Folgen der Ölförderung und des Abfackelns von Erdgas.

Ein am Dienstag dieser Woche vom nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo verkündeter Master-Plan für die Entwicklung der Region verspreche wenig Besserung, fürchtet die GfbV, da für die Umsetzung des Planes die "notorisch korrupte" Entwicklungskommission des Nigerdeltas verantwortlich sei. Die im Jahr 2000 gegründete Kommission habe sich unglaubwürdig gemacht, da sie wie viele andere nigerianische Regierungseinrichtungen seit Jahren Gelder unterschlage, die eigentlich für die Entwicklung der Region bestimmt seien.

 www.gfbv.de


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