GfbVGöttingen (epo.de). - Bei Konflikten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen um Wasser und Weideland sind im Norden Ugandas in den vergangenen sechs Monaten mindestens 118 Karimojong-Nomaden ums Leben gekommen, unter ihnen viele Frauen und Kinder. "Diese Gewaltausbrüche werden durch den Klimawandel angeheizt", erklärte Ulrich Delius, Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), am Montag in Göttingen.

"Aufgrund der anhaltenden Dürre konkurrieren gerade in der verarmten ugandischen Region Karamoja einzelne Gruppen von Viehhirten mit wachsender Gewalt um Herden, Wasser und Weideland, darunter auch die schwer bewaffneten Karimojong-Nomaden", erläuterte Delius. "Sie weigern sich, die Waffen abzugeben, weil sie dann ihre Herden nicht mehr schützen können. Wer diesen Menschen die Waffen nimmt, muss ihnen angesichts des Klimawandels auch andere Überlebens-Perspektiven bieten."

Statt die vernachlässigte Region zu entwickeln, versuche die Regierung Ugandas die Karimojong mit militärischer Gewalt gewaltsam zu entwaffnen, so die GfbV. "Dabei begehen ugandische Soldaten massive Menschenrechtsverletzungen an den Halb-Nomaden", sagte Delius. So seien allein im Distrikt Kotido am 12. Februar 2007 und am 29. Oktober 2006 bei zwei Überfällen der Armee 75 Kinder und 39 Erwachsene erschossen, von Schützenpanzern überrollt oder von Tieren zu Tode getrampelt worden. Eine ältere Frau sei vergewaltigt worden, sieben Männer seien gefoltert und 166 Häuser geplündert worden. Am 14. November 2006 seien in dem Dorf Kanawat drei Männer und ein junges Mädchen getötet worden, als sie vor der heranrückenden Soldaten zu fliehen versuchten. Hunderte Karimojong seien in den letzten Monaten willkürlich verhaftet worden.

"Eine Zeit lang hat die Armee die Frauen der Nomaden in Sippenhaft genommen, um ihre Männer zur Abgabe ihrer Waffen zu nötigen. Mit dieser umstrittenen Entwaffnungs-Kampagne wird aber kein Frieden geschaffen, sondern nur noch mehr Gewalt. Eine ganze Bevölkerungsgruppe wird kriminalisiert", erklärte Delius.

Mit 600.000 Angehörigen stellen die Karimojong rund zwei Prozent der Gesamtbevölkerung Ugandas. Die Regierung ignoriere ihre Probleme, so die GfbV. In keiner Region Ugandas sei die Lebenserwartung so niedrig, die Einschulungsrate so gering und die Kindersterblichkeit so groß.

www.gfbv.de


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