G8Berlin/Rostock (epo.de). - Die sieben reichsten Industrienationen und Russland (G8) haben sich in Heiligendamm auf einen Kompromiss beim Klimaschutz geeinigt. Die G8 wollten eine Halbierung des Ausstoßes von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 "ernsthaft in Betracht ziehen", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vertreter von Nichtregierungsorganisationen nannten das Ergebnis unzureichend. Die Staats- und Regierungschefs hätten es versäumt, konkrete Reduzierungsziele zu vereinbaren. Einige NRO sprachen aber auch von einem "Lichtblick", dass die Verhandlungen im Rahmen der Vereinten Nationen weiter gehen könnten.

US-Präsident George W. Bush hatte sich im Vorfeld des Gipfels gegen konkrete Zielvorgaben zur Verringerung der Treibhausgase in der Gipfelerklärung ausgesprochen. Merkel bezeichnete die jetzt erzielte Einigung als "großen Erfolg". Zudem hätten alle Beteiligten ein klares Bekenntnis zur Fortsetzung des Klimaprozesses im Rahmen der Vereinten Nationen abgelegt. Damit könne Ende des Jahres auf der indonesischen Insel Bali über eine Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verhandelt werden.

Merkel zufolge umfasst der Kompromiss auch die Anerkennung der Ergebnisse des jüngsten Klimaberichts des Weltklimarates (IPCC). Der Rat fordert konkrete Maßnahmen gegen die Erderwärmung, vor allem die Senkung des CO2-Ausstoßes weltweit spätestens ab 2015 und die Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens 2,4 Grad Celsius.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigte sich nur teilweise zufrieden mit dem Ergebnis. Das Fehlen konkreter Klimaschutzziele werde mit "pseudoharmonischer Tünche und schwammigen Versprechungen" überdeckt. Die G8 hangele sich weiter mit vagen Absichtserklärungen von Gipfel zu Gipfel.

"Das Klassenziel für den G8-Gipfel ist klar verfehlt worden", ssgte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes NABU, Leif Miller. Es sei "nett", dass auch Kanada und die Vereinigten Staaten eine Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 ernsthaft in Betracht ziehen wollten. Erforderlich seien aber eine Reduzierung um 80% in den Industrienationen und verbindliche Zwischenziele. "Der Gipfel läuft Gefahr, sich in bedeutungslosen Absichtserklärungen zu verlieren", so Miller.

Die Umweltstiftung WWF sprach von einem "Lichtblick". "Kanzlerin Angela Merkel hat zweifellos gute Überzeugungsarbeit geleistet", sagte Regine Günther, Leiterin des Bereichs Energiepolitik und Klimaschutz beim WWF Deutschland. Insbesondere die Fortsetzung der internationalen Klimaverhandlungen unter dem Dach der UN sei ein großer Fortschritt.

Germanwatch bezeichnete das Ergebnis als "halben Durchbruch". Es sei auf dem G8-Gipfel gelungen, die Tür für ernsthafte UN-Klimaverhandlungen aufzustoßen. Alle G8-Staaten akzeptierten den Bericht des Weltklimarates IPCC als wissenschaftliche Grundlage. "Unsere zentrale klimapolitische Messlatte für den G8-Gipfel war das Zwei-Grad-Limit. Tatsächlich wurde die Tür aufgestoßen für einen Weg, der den globalen Temperaturanstieg unter dieser Großgefährdungsschwelle hält", sagte Germanwatch-Geschäftsführer Christoph Bals.

Die Opposition zeigte sich vom Ergebnis der G8-Klimagespräche in Heiligendamm enttäuscht. "Das ist kein Durchbruch, sondern ein halbherziger Formelkompromiss, um der Kanzlerin das Gesicht zu wahren", sagte der Vorsitzende der Fraktion Die Linke, Gregor Gysi. "Heiligendamm ist ein Gipfel der Gesichtswahrung und kein Durchbruch für den Klimaschutz", kritisierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast. "Merkel ist an ihren eigenen Maßstäben gescheitert und letztlich eingeknickt. Wir brauchen verbindliche und kontrollierbare Zwischenziele bis 2020, bloße Versprechungen bis 2050 sind wertlos. Mit der jetzigen Einigung hat Merkel das 2-Grad Ziel, auf das sich die EU verpflichtet hatte, geopfert."

www.g-8.de
www.bund.net
www.nabu.de
www.wwf.de
www.germanwatch.org


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