WindkraftMannheim (epo.de). - Industrieländer können die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimaschutzes durch emissionssparende Investitionsprojekte in Entwicklungsländern deutlich senken. Wie aktuelle Berechnungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim zeigen, können die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls durch diesen so genannten Clean Development Mechanism weitaus günstiger erreicht werden als durch Maßnahmen, die Deutschland und andere Industriestaaten im eigenen Land umsetzen.

Die Industrienationen müssen ihre zukünftigen Klimaschutzziele nicht zwingend im eigenen Land erreichen. Für eine flexible Erreichung der vereinbarten Verringerung von Treibhausgasen erlaubt das Kyoto-Protokoll Investitionen in "saubere" Technologien (wie etwa erneuerbare Energieträger) in Entwicklungsländern. Die entsprechenden Emissionsminderungen werden dem investierenden Industrieland gutgeschrieben. Dies bezeichnet man in Anlehnung an Entwicklungshilfeinvestitionen als Clean Development Mechanism (CDM).

Vor allem China, Indien und Brasilien haben bereits zahlreiche dieser umweltfreundlichen Investitionsprojekte angezogen. Die CDM-Investitionen sind oftmals günstiger als Klimaschutzanstrengungen im eigenen Land, da in Industrieländern der Stand der Technik und die bereits umgesetzten Maßnahmen zum Klimaschutz viel weiter fortgeschritten sind als in Entwicklungsländern, wo mit neuen Umweltschutzmaßnahmen daher deutlich mehr Klimaschutz erreicht werden kann. Neben der zusätzlichen klimapolitischen Flexibilität für Industrieländer erhalten gleichzeitig die Entwicklungsländer durch Investitionen, Technologie- und Wissenstransfer im Rahmen von CDM umweltfreundliche Wachstumschancen.

Eine neue ZEW-Studie zeigt anhand von Simulationsrechnungen mit einem allgemeinen Gleichgewichtsmodell der Weltwirtschaft, dass CDM-Investitionen die Kosten des Kyoto-Protokolls im Jahr 2010 drastisch senken können. Die Studie greift auf eine Datenbank über laufende und geplante CDM-Investitionsprojekte zurück, die umfangreiche und zugleich kostengünstige Emissionsreduktionen in Entwicklungsländern bis zum Jahr 2010 aufzeigt.

Eine starke zukünftige Nutzung des CDM könnte allerdings durch Investitionsbarrieren beeinträchtigt werden. So entstehen bei der Projektaktivität so genannte Transaktionskosten, die etwa auf die Vertragsabwicklung, rechtliche Beratung oder langwierige Projektdokumentation zurückzuführen sind. Solche Transaktionskosten machen vor allem bei kleineren Projekten einen erheblichen Anteil aus.

Gleichzeitig sind Projekte in geringer entwickelten Ländern oftmals mit Investitionsrisiken verbunden, die beispielsweise durch politische Instabilität oder Wechselkursschwankungen entstehen. Die ZEW-Studie verdeutlicht allerdings, dass Transaktionskosten und Investitionsrisiko zwar den Preis für Emissionszertifikate erhöhen, die makroökonomischen Kosten des Kyoto-Protokolls aber nicht wesentlich beeinflussen.

www.zew.de


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