Radolfzell (epo.de). - Das indonesische Mahakam-Feuchtgebiet ist "bedrohter See des Jahres 2008". Diese Wahl traf die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) mit Sitz in Radolfzell am Bodensee. Der GNF macht damit auf die verheerenden Rodungen und Waldbrände im indonesischen Südteil der Insel Borneo aufmerksam. Großflächige Ölpalm-Monokulturen und Bergbaubetriebe beeinträchtigten die Lebensgrundlagen der örtlichen Bevölkerung und die Lebensräume von höchst bedrohten Arten wie den Irrawaddy-Delfin oder den Orang-Utan massiv, so der GNF.

Exzessiver Holzeinschlag und verheerende Waldbrände zerstören dem GNF zufolge riesige Flächen von ursprünglichem Regenwald in Indonesien. Der Global Nature Fund und die Conservation Foundation for Rare Aquatic Species of Indonesia (RASI) fordern deshalb einen sofortigen Stopp weiterer Kahlschläge. Die Belange des Klimaschutzes, die Verhinderung des weiteren Artensterbens und der Erhalt von Lebensräumen für Mensch und Tier seien wichtige Argumente im Kampf gegen die Verwüstung großer Landflächen.

Die Mittlere Mahakam-Region ist mit einer Fläche von 8.100 Quadratkilometern eines der größten Feuchtgebiete in Kalimantan. Nach Angaben von Danielle Kreb, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei RASI, wurden in diesem Gebiet bereits 90 Prozent der ursprünglichen Sumpf- und Torfwälder bei den großen Waldbränden im Jahr 1998 sowie durch großflächige legale und illegale Waldumwandlungen unwiederbringlich zerstört.

Alle Bemühungen der Naturschutzorganisationen zur Renaturierung und Wiederaufforstung von zerstörten Waldflächen wies das Ministerium für Forstwirtschaft laut GNF mit der Begründung zurück, dass bereits genug zur Wiederaufforstung in Kalimantan getan werde. "Dieses Argument können RASI und andere Organisationen vor Ort nicht nachvollziehen", erklärte der GNF.

Kürzlich habe das Amt für Umwelt und Bergbau zwar beschlossen, keine weiteren Konzessionen für große Plantagen zu vergeben. Ob diese positiven Absichten eingehalten werden, sie auf Grund des immer weiter steigenden Bedarfs an Palmöl auf dem Weltmarkt jedoch höchst fragwürdig, so der GNF. Malaysia und Indonesien sind die wichtigsten Anbauländer, sie liefern über 80 Prozent der Weltproduktion. Weltweit wurden 2007 ungefähr 37,4 Millionen Tonnen Palmöl produziert, das im Lebensmittel- und Kosmetikbereich sowie als Biotreibstoff weiterverarbeitet wird. Neben den genehmigten Flächen werden durch Korruption und illegale Rodungen weitere riesige Waldflächen in industrielle Monokulturen umgewandelt.

RASI und andere Nicht-Regierungs-Organisationen seien überzeugt, dass die örtliche Regierung die dringende Notwendigkeit der Wiederaufforstung in dieser sensiblen Region im Mahakam-Feuchtgebiet nicht anerkennt, berichtete der GNF. Mit der Ernennung zum "bedrohten See des Jahres 2008" solle der dringende Handlungsbedarf zur Erhaltung der einzigartigen Biodiversität sowie der Lebensgrundlagen der Bewohner der Mahakam-Region unterstrichen werden.

www.globalnature.org


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