Reporter ohne GrenzenBerlin/Paris (epo). - Im vergangenen Jahr sind mindestens 53 Journalistinnen und Journalisten während oder wegen ihrer Arbeit ums Leben gekommen. Dies sind die höchsten Zahlen seit 1995; damals starben 64 Journalisten, 22 allein im algerischen Bürgerkrieg. Weiterhin hat Reporter ohne Grenzen (ROG) 2004 15 getötete Medienmitarbeiter (Fahrer, Dolmetscher oder Stringer) gezählt.

Mindestens 622 zensierte oder verbotene Medien hat die Menschenrechtsorganisation im vergangenen Jahr registriert (in 2003: 501). 907 Journalisten wurden vorübergehend festgenommen (in 2003: 766), mindestens 1.146 wurden bedroht oder angegriffen.

Der Irak ist zum zweiten Jahr in Folge das gefährlichste Land der Welt für Journalisten. Allein dort starben 19 Reporter und 12 Medienmitarbeiter. Für die meisten Todesfälle sind Rebellengruppen verantwortlich; die US-Armee hat den Tod von vier Journalisten und Medienmitarbeitern zu verantworten. Auch das Aufdecken von Korruption und Berichte über organisiertes Verbrechen haben für einige Journalisten im Irak den Tod bedeutet.

Auf den Philippinen mussten sechs und in Bangladesch vier Reporter wegen ihrer Recherchen über Amtsmissbrauch und Drogenhandel sterben. In Gambia wurde der Journalist und ROG-Korrespondent Deyda Hydara im Dezember erschossen - kurz nachdem er das neue, repressive Pressegesetz in dem afrikanischen Land scharf kritisiert hatte.

Mindestens zwölf Journalisten wurden im Irak entführt. Elf von ihnen sind wieder frei; der Italiener Enzo Baldoni wurde ermordet. In Nepal sind vier Journalisten in der Gewalt von Entführern; als vermisst gelten der Franzose Guy-Andr? Kieffer (in der Elfenbeinküste) sowie der Franzose Fred N?rac und der Iraker Al-Shumary (im Irak).

Zensur und Verbot von Medien haben nach Erkenntnissen von Reporter ohne Grenzen etwa in Russland, Weißrussland und im Iran stark zugenommen. So haben die Behörden in Weißrussland im Vorfeld der Wahlen vom vergangenen Oktober das Erscheinen zahlreicher unabhängiger Zeitungen und Zeitschriften verhindert. Im Iran - wo im Mai Wahlen anstehen - sind seit einigen Monaten vor allem oppositionelle Internetzeitungen gesperrt. Während der politischen Unruhen in Haiti und der Elfenbeinküste wurden dort viele Medien gewaltsam an ihrer Arbeit gehindert: Journalisten wurden bedroht und angegriffen, Büros verwüstet.

Weltweit sind derzeit 103 Journalisten sowie 70 Internet-Dissidenten hinter Gittern.

Reporter ohne Grenzen


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