Brandrodung im Bundesstaat Par?, Amazonas. Foto: epo ArchivHamburg (epo.de). - Die brasilianische Regierung hat beim Schutz des Tropenwaldes am Amazonas versagt. Wie aus einem neuen, in Sao Paulo veröffentlichten Greenpeace-Bericht hervorgeht, wurde der von Präsident Luiz In?cio Lula da Silva im März 2004 vorgestellte "Aktionsplan zum Kampf gegen die Entwaldung am Amazonas" zu fast 70 Prozent nicht umgesetzt. Abholzung und Brandrodung hätten weiter zugenommen. Allein in der zweiten Jahreshälfte 2007 wurden demnach im Amazonasgebiet knapp 7.000 Quadratkilometer Urwald vernichtet - die achtfache Fläche Berlins. Die Gebiete wurden für die Landwirtschaft, vor allem den Soja-Anbau, und die Viehzucht gerodet.

"Lulas Scheitern ist verhängnisvoll für den Amazonas" , erklärte Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. "Die ambitionierten Pläne können derzeit diese Schatzkammer der Artenvielfalt nicht retten. Die Widerstände sind groß, denn die Zerstörung des Urwaldes ist hoch profitabel. Lula hat die Aufgabe unterschätzt, er muss wesentlich mehr tun, um den Urwald zu schützen."

Greenpeace fordert neben verstärkten Anstrengungen in Brasilien auch finanzielles Engagement von Deutschland und anderen Industrieländern. Ziel sei es, nicht die Zerstörung, sondern den Schutz des Urwaldes rentabel zu machen. Zum nächsten UN-Urwaldgipfel (Convention on Biological Diversity, CBD) im Mai in Bonn sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel zwei Milliarden Euro pro Jahr zur Einrichtung von Schutzgebieten zur Verfügung stellen.

Das wäre auch im Interesse der Industrieländer, so Greenpeace: Ein Fünftel der weltweit freigesetzten Treibhausgase entstünden durch Waldzerstörung. "Urwaldschutz ist Klimaschutz", sagte Kaiser. "Wenn die Zerstörung weitergeht, müssen auch die Menschen in den Industrieländern mit dem Klimawandel die Konsequenzen der Urwaldvernichtung tragen."

Die brasilianische Regierung könne bereits jetzt ihre Anstrengungen erhöhen, so der Greenpeace-Report. Von 32 geplanten strategischen Maßnahmen seien nur zehn umgesetzt worden oder stünden kurz vor der Umsetzung, darunter ein satellitengestütztes System zur Überwachung des Waldes. Nur teilweise realisiert wurden Greenpeace zufolge elf der angekündigten Maßnahmen. Weitere elf Ansätze seien völlig unterblieben. Hierzu zählten vor allem Maßnahmen für eine angepasste nachhaltige Entwicklung für die Amazonas-Region.

Das im Jahr 2006 von Greenpeace erreichte Soja-Moratorium im Amazonas-Gebiet wird der Untersuchung zufolge eingehalten - trotz der in den vergangenen zwölf Monaten um über 70 Prozent gestiegenen Soja-Preise. Diese Preisentwicklung wäre eigentlich Anlass für viele Grundbesitzer, weitere Urwaldflächen für Ackerland zu zerstören. Doch durch das Moratorium nahmen die Anbauflächen von Soja in den vergangenen zwei Jahren ab. Eine neue Greenpeace-Recherche zeigt, dass es zwar neue Entwaldungen auch innerhalb von Soja-Farmen gibt, auf diesen Flächen aber kein Soja angebaut wird.

[Foto: Brandrodung in Carajas, Bundesstaat Par?, Brasilien. Copyright ? by epo Archiv]

www.greenpeace.org


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