Sojaanbau in Brasilien. Foto: GreenpeaceBerlin (epo.de). - Mit einem dringlichen Appell haben sich Umwelt- und Entwicklungsverbände an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Sie soll eine diplomatische Initiative auf höchster politischer Ebene ergreifen, um die Bonner UN-Konferenz über die biologische Vielfalt vom 19. bis 30. Mai zu einem Erfolg zu führen und den Verlust von Arten und Lebensraum bis 2010 zu stoppen. In Vorkonferenzen hätten Staaten wie Brasilien, Kanada, Australien oder Japan eine schlimme Blockadepolitik erkennen lassen, argumentieren die NGOs.

Meena Raman aus Malaysia, Vorsitzende von Friends of the Earth International, sagte: "Wenn die Konferenz scheitert, verlieren wir wichtige Zeit im Kampf gegen das Artensterben und den Schutz der Urwälder auf dieser Welt. Die Leidtragenden werden vor allem die Armen in den Entwicklungsländern sein."
 
Aktuell sterben nach Angaben des Forums Umwelt und Entwicklung (FUE) täglich rund 160 Arten aus. Zu den Ursachen zählen der Raubbau an der Natur, die großflächige Zerstörung von Urwäldern, die Ausplünderung der Meere, Monokulturen und die industrielle Landwirtschaft. Auch aus Verantwortung für die Menschen in den ärmeren Staaten, die von der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft und den Früchten des Waldes leben, ist das Engagement der reichen Staaten aus Sicht der Umweltschützer unbedingt notwendig.
 
Doch einige Vertragsstaaten, so das Forum Umwelt und Entwicklung, "blockieren, bremsen, beugen sich industriellen Lobby-Interessen". So liessen Vorkonferenzen der im Mai stattfindenden 9. Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt in Bonn (COP 9) nichts Gutes ahnen. Staaten wie Brasilien versuchten beim Schutzprogramm für Wälder und Meere Ergebnisse zu verwässern oder auch - wie bei der Agrospritfrage - zu verhindern.

Auf der anderen Seite blockierten Kanada, Australien, Neuseeland und Japan eine Einigung im Kampf gegen Biopiraterie. "Die deutsche Bundeskanzlerin muss jetzt den Konferenzerfolg zur Chefsache machen und mit den wichtigsten Regierungschefs eine Lösung finden", betonte Michael Frein, Sprecher des Forums Umwelt und Entwicklung.
 
Etwa ein Fünftel der globalen CO2-Emissionen gehen auf das Konto der rasanten Waldvernichtung. In Urwäldern, vor allem der Tropen, befindet sich mehr als die Hälfte der biologischen Vielfalt. Es wird geschätzt, dass etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr benötigt werden, um den Entwicklungsländern ein Angebot für den Schutz und die ökologisch und sozial gerechte Nutzung der Urwälder zu machen.

"Deutschland muss als Gastgeber der Konferenz Vorreiter sein. Mit zwei Milliarden Euro pro Jahr muss Kanzlerin Merkel wieder Bewegung in den globalen Schutz der biologischen Vielfalt bringen", forderte Greenpeace-Sprecher Stefan Krug: "Profitieren würden Urwälder, Meere und das Klima, sowie Millionen von betroffenen Menschen."


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Der Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel im Wortlaut:

Berlin, 9. April 2008

Dringender Appell zur 9. Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über die biologische Vielfalt vom 19. - 30. Mai 2008 in Bonn
 
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

mit größter Sorge verfolgen wir die internationalen Vorbereitungen zur 9. UN-Konferenz über die biologische Vielfalt, die im Mai in Bonn stattfinden wird. Wir sehen die reale Gefahr, dass die Konferenz scheitern könnte. Wir haben erlebt, wie Verhandlungstaktik eingesetzt wurde, um bereits Erreichtes wieder zu streichen. Wir haben mit verfolgt, wie einige wenige Staaten gegen die Interessen der großen Mehrheit arbeiten. Wir haben in vielen Bereichen gesehen, dass sich eine Reihe von Delegationen, wie beispielsweise die deutsche, sehr engagiert für den Erhalt der biologischen Vielfalt wie auch für einen fairen Ausgleich zwischen den ärmeren und den reicheren Staaten einsetzt.
 
Wir benötigen dringend wesentliche Fortschritte zum Schutz der biologischen Vielfalt auf diesem Planeten. Täglich sterben weltweit nach Einschätzung der IUCN 160 Arten aus. Neben dem Klimawandel ist der Erhalt der biologischen Vielfalt eine der großen Zukunftsaufgaben der Staatengemeinschaft. Das vereinbarte Ziel, bis 2010 den Verlust biologischer Vielfalt zu stoppen, hängt von einem positiven Ergebnis dieser Konferenz ab.
 
Wir fordern Sie dringend auf, umgehend eine diplomatische Initiative zu ergreifen, damit die 9. Konferenz über die biologische Vielfalt ein Erfolg wird. Unter anderem müssen die Industrieländer dabei den Entwicklungsländern ein finanzielles Angebot machen.

Wir brauchen jetzt Ihr Engagement!

Mit freundlichen Grüßen

Meena Raman, Friends of the Earth International/BUND
Michael Frein, Forum Umwelt & Entwicklung
Stefan Krug, Greenpeace

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» http://www.forumue.de/
» http://www.cbd.int/


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