Palmölanbau in Südostasien. Foto: WWFBerlin (epo.de). - Angesicht der internationalen Nahrungsmittelkrise hat das INKOTA-Netzwerk von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel einen sofortigen Kurswechsel in der Biospritpolitik gefordert. Weltweit gebe es immer mehr Belege dafür, dass die Förderung der Agrokraftstoffproduktion nicht nur umweltpolitisch höchst zweifelhaft, sondern auch mitverantwortlich für die aktuelle globale Hungerkrise sei, erklärte INKOTA am Dienstag zum Auftakt der Aktion "Biosprit macht Hunger" in Berlin. 

Mit Protestpostkarten und Großbanner-Aktionen will INKOTA Umweltminister Gabriel dazu bewegen, auf die Erhöhung der  Zwangsbeimischungsquote von Biodiesel zu verzichten. In den letzten Monaten seien die Nahrungsmittelpreise explodiert und die weltweiten Vorräte an Mais, Reis und Weizen weitgehend dahingeschwunden. Eine neue Hungerkatastrophe bahne sich an. Experten seien sich einig, dass neben klimabedingten Ernteausfällen und gestiegener Futtermittelnachfrage der forcierte Anbau von Pflanzen für Kraftstoffe eine wichtige Ursache dafür ist, da er in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.

Seit 2005 sind die Nahrungsmittelpreise insgesamt um rund 83 Prozent gestiegen. Je nach Land sind 30 bis 70 Prozent dieser Teuerung auf die Herstellung von Bioethanol oder Biodiesel zurückzuführen, erklärte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter Berufung auf das International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington.

"Für die 1,2 Milliarden Menschen, die schon heute mit weniger als einem US-Dollar auskommen müssen, ist das eine Katastrophe", so Arndt von Massenbach, Geschäftsführer des INKOTA-Netzwerks. "Die Hungeraufstände in Nigeria, Indien, Ägypten oder jüngst in Haiti wären erst der Anfang, wenn immer mehr Grundnahrungsmittel in unseren Autotanks verschwinden."

Umweltminister Gabriel halte jedoch ungeachtet aller Warnungen an seinen ehrgeizigen Biospritzielen fest. Zwar musste er Anfang April die für 2009 geplante Verdopplung des Ethanolanteils im Normal- und Superbenzin auf Druck der Autofahrerlobby stoppen, da ältere Fahrzeuge dieses Gemisch nicht vertragen. Der Biodieselanteil soll aber weiter steigen, ebenso wie die Verwendung reiner Pflanzenkraftstoffe. Bis zum Jahr 2020 sollen 12 bis 15 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs mit Agrosprit gedeckt werden. Damit gehe die Bundesregierung über das Ziel der Europäischen Union hinaus, die einen Beimischungsanteil von 10 Prozent bis 2020 plant, kritisierte INKOTA. Diese Ziele könnten nur mit Hilfe von Importen aus Entwicklungsländern erreicht werden.

"Gabriel verschließt die Augen vor den dramatischen Folgen für Millionen von Menschen in den Anbauländern der Energiepflanzen in Asien, Afrika und Lateinamerika", sagte INKOTA-Campaignerin Evelyn Bahn. "Die Quote muss weg! Die Politik der zwangsweisen Beimischung gefährdet weltweit die Ernährungssicherheit."

"Auch klimapolitisch macht die Biospritpolitik der Bundesregierung keinen Sinn", sagte von Massenbach. Studien belegten, dass Agrokraftstoffe keinen effektiven Beitrag zum Klimawandel leisten. Oft sei die Klimabilanz des Biosprits durch die Abholzung von Regenwäldern, den klimaschädlichen Einsatz von Düngemitteln und lange Transportwege sogar negativ.

» www.inkota.de

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