Südafrika 2010

Berlin (epo.de). - Südafrika, im Jahr 2010 Austragungsort der ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden, will das Großereignis nach den Worten seines Botschafters in der Bundesrepublik "für eine nachhaltige Entwicklung Südafrikas und des ganzen Kontinents" nutzen. Vor allem von der mit der WM verbundenen Modernisierung der Infrastruktur und kommunalen Entwicklungsprogrammmen verspricht man sich einiges. Bei einer ersten Informationsveranstaltung der südafrikanischen Botschaft am Dienstag in Berlin stand jedoch der Sicherheitsaspekt im Vordergrund.

Aktueller Anlass für die Sicherheitsdebatte waren die Verfolgung von Ausländern, Morde und Plünderungen in mehreren Slumvierteln südafrikanischer Städte in den vergangenen zwei Wochen, bei denen mindestens 56 Menschen ums Leben kamen und Zehntausende verletzt und aus ihren Häusern vertrieben wurden. Die südafrikanische Vertretung in Berlin unter Botschafter George Johannes hatte eigens den stellvertretenden südafrikanischen Polizeichef Andre Pruis eingeflogen, der von einer sich stabilisierenden Lage sprach. Für die WM versprach Pruis größtmögliche Sicherheit. Der einzige Unsicherheitsfaktor, so der Polizeioffizier, sei die Platzierung von Bafana Bafana, der südafrikanischen Nationalmannschaft.

Derzeit sei es ein Vergnügen, Polizeichef in Südafrika zu sein, meinte Pruis, schliesslich beschaffe die Regierung im Hinblick auf die WM alle geforderten "Spielzeuge" der Polizei, von Wasserwerfern bis zum Helikopter. Umgerechnet 120 Millionen Euro stünden dafür bereit, und bei der WM sollen 41.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein. Pruis hatte sich während der Fußball-WM 2006 in Deutschland vor Ort über die Methoden der deutschen Polizei informiert.

DER JUGEND PERSPEKTIVEN BIETEN

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erklärte anlässlich der Informationsveranstaltung in Berlin, die Unruhen in einigen südafrikanischen Städten zeigten einmal mehr, wie wichtig es sei, vor allem jungen Menschen Perspektiven für die Zukunft zu geben. "Bekommen sie diese nicht, treibt sie die Hoffnungslosigkeit in Verzweiflung und sicher viele in Kriminalität", sagte BMZ-Staatssekretär Ericht Stather.

Auf "Entwicklung durch Fußball" setzt denn auch "streetfootballworld", eine Initiative des Berliners Jürgen Griesbeck, der während der WM 2006 ein internationales Turnier mit Straßenfußballern am Kreuzberger Mariannenplatz ausrichtete. 2010 wird das Johannesburger Township Alexandra Schauplatz der Straßenfußball-WM sein - einer der sozialen Brennpunkte Südafrikas.

In Kreuzberg hatte FIFA-Chef Sepp Blatter höchstpersönlich die internationale Meisterschaft der Straßenfußballer eröffnet. Griesbeck lobte denn auch die Fortschritte, die der Fußball-Weltverband im sozialen Bereich inzwischen gemacht habe. Mit der Abwendung von einem reinen "Charity-Ansatz" hin zu einem "Responsibility-Ansatz" nehme der reiche Verband inzwischen seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in den Ländern des Südens ernst.

BERATUNG VON KOMMUNEN

Die Erfahrungen, die Deutschland mit Projekten im Bereich "Sport für Entwicklung" gemacht hat, und die Erkenntnisse der WM 2006 hat InWEnt - Internationale Weiterbildung und Entwicklung - in ein Partnerschaftsprojekt mit den südafrikanischen Austragungsorten der WM-Spiele gebündelt. Die "Servicestelle Kommunen in der Einen Welt" von InWEnt berät kommunale Akteure in Südafrika. Deutsche kommunale Experten aus 13 Städten wurden dafür geschult und entsandt. Sie sollen in Bereichen wie Infrastruktur, Logistik, Sicherheit, Verkehr, aber auch in PR und Tourismus Erfahrungen weitergeben. Ein Büro in Pretoria, so Projektleiter Ramin Soufiani, koordiniert diese Aktivitäten.

Generell fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Hinblick auf die WM 2010 verstärkt Entwicklungsvorhaben, "in denen Fußball überregional zur Jugendentwicklung und Gewaltprävention eingesetzt wird", so das BMZ. In zehn afrikanischen Ländern widmen sich Projekte Problemen wie städtischer oder familiärer Gewalt, der Benachteiligung von Frauen und Mädchen, HIV/Aids oder Drogen. In Südafrika verbindet das Projekt "Kick Aids" die Aufklärun über Aids mit fußballerischer Ausbildung und dem Bau von Bolzplätzen. Die Bürgermeister der südafrikanischen WM-Austragungsorte Port Elizabeth, Bloemfontein, Johannesburg, Pretoria und Rustenburg erhalten Unterstützung von den "Host Cities" der WM in Deutschland.

Nicht interessiert ist man in Südafrika indes, das Problem der "Hooligans", gewaltbereiter Fußball-Anhänger, aus Europa zu importieren. Hooligans sind in Südafrika so gut wie unbekannt. Vize-Polizeichef Pruis verweist auf in diesem Zusammenhang auf sein Polizei-Arsenal: Einige "Spielzeuge" zur Überwachung potenzieller Störenfriede müssten noch angeschafft werden. Man haben aber bereits jetzt "mehr Helikopter in der südafrikanischen Polizei als viele Länder in ihrer Luftwaffe".

www.fifa.com
www.inwent.org
www.bmz.de
www.streetfootballworld.org
www.suedafrika.org
www.southafrica.net
www.team-for-africa.com

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