Reisbauer

Rom/Bonn (epo.de). - Der Ernährungsgipfel der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) in Rom muss einen deutlichen Politikwechsel zugunsten der Landwirtschaft und Ernährungssicherung in den Entwicklungsländern einleiten. Das hat die Welthungerhilfe am Eröffnungstag der hochrangig besetzten Konferenz gefordert. "Nach vielen Worten müssen nun endlich Taten folgen, um die globale Hungerkrise zu bewältigen", erklärte Generalsekretär Hans-Joachim Preuß. 

Wichtig sei hierbei nicht nur die ausreichende Produktion von Nahrungsmitteln, sondern vor allem ihre Verteilung, da Hunger eine direkte Folge von Armut sei. "Wer kein Geld hat, kann keine Lebensmittel kaufen. Wer kein Land hat, kann keine Nahrungsmittel produzieren", sagte Preuß.

Die Welthungerhilfe sieht die Entwicklungs- und Industrieländer gemeinsam in der Pflicht, eine langfristige internationale Strategie auf diesem Gipfel zu vereinbaren. Die FAO müsse ihre Umsetzung sicherstellen. Die Regierungschefs und Minister müssten sich auf den Vorrang von Nahrungsmittelproduktion und langfristigen Investitionen in die Landwirtschaft und die ländlichen Räume einigen. "Wir brauchen keine Notprogramme mehr, sondern eine nachhaltige Agrarwende", betonte Preuß.

Die Welthungerhilfe hat auch im letzten Jahr ihren Schwerpunkt auf die Unterstützung der ländlichen und regionalen Entwicklung gelegt. Etwa 50 Millionen Euro wurden für Projekte zur Verfügung gestellt, die direkt den Kleinbauern auf dem Land zugute kommen. Dazu gehören u. a. Maßnahmen wie der Ausbau von Bewässerungssystemen, verbesserte Anbaumethoden, der Bau von Straßen und Getreidespeichern sowie der Ressourcenschutz.

UMSTEUERN NOTWENDIG

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Nord-Süd-Initiative Germanwatch und Oxfam Deutschland forderten ein Ende der jahrelangen Benachteiligung der nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft in Süd und Nord. "Die Konferenz der FAO muss die Agrar- und Handelspolitiken, die zur Nahrungsmittelkrise beigetragen haben, auf den Prüfstand stellen und die notwendige Kehrtwende einleiten. Es ist höchste Zeit, in eine nachhaltige Landwirtschaft zu investieren und der einheimischen Lebensmittelproduktion höchste Priorität einzuräumen", sagte Marita Wiggerthale, Agrarreferentin von Oxfam Deutschland.

Ebenso wichtig wie zusätzliches Geld sei die Gestaltung der Programme, für die es ausgegeben wird, erklärten die NRO. Nach Ansicht von AbL, Germanwatch und Oxfam müssen dabei die Erkenntnisse des Welt-Agrarrats IAASTD berücksichtigt werden, der die Probleme der industrialisierten Landwirtschaft deutlich aufzeigten. Den Bauern nur mehr Dünger, Pestizide und Hochertragssorten zur Verfügung zu stellen, wie die FAO und Weltbank es wohl planten, werde nicht zu einer nachhaltigen Produktionssteigerung führen. "Gerade angesichts des Klimawandels müssen Produktionssysteme weiter entwickelt werden, die an lokale Bedingungen angepasst und weniger anfällig gegenüber Witterungsschwankungen sind", mahnte Tilman Santarius, Vorstandsmitglied von Germanwatch.

In diesem Zusammenhang begrüßen die Organisationen den Vorschlag der EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel, Mittel aus dem europäischen Agrarhaushalt für die Entwicklungshilfe im Agrarsektor zur Verfügung zu stellen. Wegen der gestiegenen Preise würden hunderte Millionen Euro nicht für Lagerhaltung in der EU und Exportsubventionen verwendet.

"Dass dieses Geld nun Bauern zu Gute kommen soll, die jahrzehntelang unter den künstlich verbilligten EU-Exporten gelitten haben, ist aus Gerechtigkeits- und Effizienzgesichtspunkten richtig", so Santarius. "Die unfaire Konkurrenz hat dazu beigetragen, dass die bäuerliche Landwirtschaft in Entwicklungsländern vernachlässigt wurde. Damit hat sie die derzeitige Nahrungsmittelkrise mit verursacht."

Damit die Mittel auch längerfristig zur Verfügung stehen, seien alle Exportsubventionen umgehend und dauerhaft abzuschaffen. Die so frei werdenden Gelder, im Budget für 2008 über eine Milliarde Euro, müssten dauerhaft den Kleinbauern in Entwicklungsländern zu Gute kommen.

"Der Weltagrarbericht macht nur zu deutlich, wie wichtig eine bäuerliche und regional orientierte Landwirtschaft ist, um der Hungerproblematik wirksam zu begegnen. Deshalb muss auch die EU-Agrarpolitik daraufhin neu ausgerichtet werden. Derzeit wirken die Direktzahlungen wettbewerbsverzerrend gegenüber bäuerlichen Betrieben hier in Deutschland und durch den Export auch weltweit. Deshalb sind diese Zahlungen dringend an die Arbeitskräfte zu binden", sagte Berit Thomsen, Welthandelsreferentin bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.

www.germanwatch.org
www.welthungerhilfe.de

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