{mosimage}Sofia/Berlin (epo.de). - Die bulgarischen Atomkraftgegner Petko Kovatchev und Albena Simenova haben Morddrohungen wegen ihres Engagements gegen das geplante Atomkraftwerk Belene erhalten. Beide seien in der vergangenen Woche gewarnt worden, dass ihr Leben in Gefahr sei, wenn sie ihr Engagement gegen Belene fortsetzen, teilte die Umweltorganisation "urgewald" am Freitag in Berlin mit. Albena Simenova habe einen Anruf mit dem Hinweis erhalten, dass sie alle für den Tag geplanten Aktivitäten abblasen solle, wenn sie abends noch leben wolle, berichtete urgewald. Für die 44-jährige sei dies keine neue Erfahrung. Die prominente Umweltschützerin sei bereits 2005 wegen ihres Engagements gegen Belene bedroht worden.

Die Biobäuerin engagiert sich seit Mitte der Achtziger Jahre gegen das Belene-Projekt und war maßgeblich am Aufbau der bulgarischen Umweltbewegung nach Ende des Kommunismus beteiligt. Für ihr Engagement erhielt sie 1996 den renommierten Goldman Umwelt Preis. "2005 blieb es nicht nur bei Morddrohungen; es gab auch zwei Anschläge auf Albena", erklärte Jan Haverkamp, Mittel- und Osteuropa-Experte von Greenpeace. "Auch diesmal sind wir sehr besorgt. Auffällig ist, dass die Drohungen jetzt kommen, wo Albena zahlreiche Gespräche mit lokalen Bürgermeistern führt, die beginnen, sich ebenfalls gegen Belene zu engagieren."

RWE BLEIBT STUMM

Die Bürgermeister hatten sich Anfang Dezember an den deutschen Energiekonzern RWE gewandt mit der Bitte, nicht als strategischer Investor bei Belene einzusteigen, da es zu viele Bedenken gegen das Projekt gibt. "RWE behauptet, dass Sicherheit oberste Priorität habe und dies auch für internationale Projekte gelte", sagte Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald. "Nach unserer Bitte, beim bulgarischen Innenminister vorstellig zu werden, um sich für den Schutz der Atomkraftgegner einzusetzen, hat sich RWE jedoch nicht zurückgemeldet. Offenbar fühlt sich der Konzern hier nicht zuständig. Es ist uns ein Rätsel, wie RWE bei einem Projekt wie Belene hohe Sicherheitsstandards garantieren will, wenn in Bulgarien Projektkritiker um ihr Leben fürchten müssen."

RWE will urgewald zufolge 1,5 Milliarden Euro in den Bau des Atomkraftwerks Belene in Bulgarien investieren. Der Konzern bewerbe sich außerdem um eine Beteiligung an dem umstrittenen Atomkraftwerk Cernavoda 3 & 4 im Süden Rumäniens. Beide Projekte wurden zu Sowjetzeiten geplant und nach der Wende verworfen. Sie liegen in einer Region, in der regelmäßig starke Erdbeben stattfinden und gelten deshalb als zwei der risikoreichsten Atomprojekte, die derzeit in Europa geplant sind.

VERBREITETE KORRUPTION

"Korruption und Bedrohung gehören in Bulgarien zum politischen Klima bis in höchste Kreise", konstatiert urgwald. "Im vergangenen Jahr etwa musste Wirtschafts- und Energieminister Rumen Ovcharov zurücktreten, weil ihm vorgeworfen wurde, aus geschäftlichen Interessen Ermittlungen im Korruptionsskandal um das hauptstädtische Fernwärme-Unternehmen Toplofikazia Sofia beeinflusst und den obersten Ermittlungschef persönlich bedroht zu haben."

Im April dieses Jahres habe Innenminister Rumen Petkov zurücktreten müssen, so urgewald. Nach zwei Auftragsmorden am Geschäftsführer des Energieunternehmens Atomenergoremont und dem Schriftsteller Georgi Stoev sei ihm vorgeworfen worden, Kontakte zu einem Brüderpaar zu besitzen, das der organisierten Kriminalität zugerechnet wird. Und im November 2008 strich die EU Bulgarien Fördergelder wegen der grassierenden Korruption.

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