Berlin (epo.de). - Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) hat sich am Donnerstag bei einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt für einen sozial und ökologisch ausgerichteten UN-Wirtschaftsrat ausgesprochen. Um der Finanzkrise auch global zu begegnen, sei ein handlungsfähiger Wirtschaftsrat erforderlich, dem andere multilaterale Einrichtungen zugeordnet sind, erklärte VENRO nach dem Gespräch. Der Rat müsse sozial und ökologisch nachhaltig ausgerichtet sein und sich für die Chancengerechtigkeit zwischen Arm und Reich einsetzen.

Der Vorschlag, bei den Vereinten Nationen einen Weltwirtschaftsrat analog zum Weltsicherheitsrat zu gründen, geht auf der politischen Ebene auf die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos zurück. Der UN-Wirtschaftsrat soll bei der Bewältigung der globalen Finanzkrise helfen und für eine gerechtere Gestaltung der Weltwirtschaftsordnung sorgen.
 
VENRO forderte denn auch mehr Mitspracherechte für die Länder des Südens. Einflussreiche Chefposten wie beim Internationalen Währungsfonds (IWF) sollten verstärkt mit Vertreterinnen und Vertretern aus Entwicklungsländern besetzt werden. "Es kann nicht sein, dass die armen Länder in besonderem Maße und unverschuldet von den Krisen betroffen sind, bei der Vergabe von Schlüsselpositionen aber außen vorgelassen werden", sagte die VENRO-Vorstandsvorsitzende Claudia Warning (EED). Traditionell werden hochrangige Posten beim IWF und bei der Weltbank mit Europäern und Amerikanern besetzt.

KLIMA-APARTHEID VERHINDERN
 
Der Dachverband der entwicklungspolitischen Organisationen verweist auf die Krisen der vergangenen Jahre, die vor allem die armen Länder treffen und dort die besonders armen Bevölkerungsgruppen. Aufgrund hoher Nahrungsmittelkosten müssten immer mehr Menschen hungern. Große Landflächen in Entwicklungsländern dienten Großinvestoren aus reichen Staaten zur Biokraftstoff- und Nahrungsmittelproduktion. Die Folgen des Klimawandels seien in den meisten Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas schon jetzt bedrohliche Realität. Dürren, vermehrter Starkregen und steigende Meeresspiegel seien nur einige Beispiele. "Für die Klimaanpassungen brauchen die Partner im Süden mehr Geld, das die reichen Staaten zur Verfügung stellen müssen. Nur so kann eine Klima-Apartheid verhindert werden", erklärte VENRO.
 
"Die EU-Staaten, einschließlich Deutschland, müssen zu Ihrer Zusage stehen, den Anteil ihrer Entwicklungsausgaben auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen", machte VENRO klar. Diese Mittel müssten unabhängig von den Klimaanpassungsleistungen zur Verfügung stehen, so der Verband.
 
"Wir müssen eine globale Apartheid verhindern. Deshalb müssen die Entwicklungsländer bei dem EU-Sondergipfel zur Finanzkrise ganz oben auf der Agenda stehen", betonte Warning. "Die reichen Länder müssen endlich ein Signal setzen, dass sie den armen Ländern den Rücken stärken."
 
VENRO sprach gegenüber der Kanzlerin in Berlin nach eigenen Angaben auch die Sicherheitslage in Afghanistan an. Diese habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. Die Bundesregierung sollte Prioritäten beim zivilen Wiederaufbau setzen und auf den Einsatz weiterer Soldaten verzichten, fordert der Verand. Vor allem die Vermischung von zivilen und militärischen Einsätzen, wie durch die deutschen Wiederaufbauteams (PRTs), habe humanitäre Organisationen zur Zielscheibe von Übergriffen gemacht.
 
www.venro.org

 


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