Devi, 8 JahreChennai (epo.de). -  Sie heißen Devi, Manish, Nagavalli und Arjun. Sie leben in den Slums und auf den Straßen von Chennai, der Millionenmetropole in Südindien, arbeiten als Müllsammler, als Schuhputzer, als Bettler. Doch sie sind keine Slumdogs. Sondern Kinder, die eine Chance verdienen. "Jeder von ihnen ist ein Mensch mit Würde", betont Elvira Greiner, Vorsitzende der Andheri-Hilfe Bonn. Hintergrund ist die kontroverse Diskussion, die der mit acht Oscars ausgezeichnete Film „Slumdog Millionaire“ auch in Indien ausgelöst hat. Elvira Greiner hat sie erlebt, ist diesen Kindern begegnet, als sie dort zu den Projekten der Andheri-Hilfe unterwegs war.

Elvira Greiner"Sie gehen nicht zur Schule und machen keine Ausbildung. Sie kennen keine Sicherheit, werden geschlagen, vertrieben, sexuell missbraucht. Sie leben von Abfällen und sind in Lumpen gekleidet: aber sie sind keine „Slumdogs", sagt Elvira Greiner. Sie hat bei ihrer Reise ein Argument immer wieder gehört: "Wie kann man nur ein so hässliches Bild unseres Landes zeichnen?!“ So empören sich offenbar viele, gerade aus der Mittel- und Oberschicht. Eines stimmt, sagt die Vorsitzende der Andheri-Hilfe: "Der Film zeigt ein einseitiges Bild von Indien. Aber wahr ist auch: Er zeigt eine Facette der Wirklichkeit. Und wer in den Slums unterwegs ist wie ich, ob in Mumbai, in Delhi, oder in Chennai, der weiß: Was der Film zeigt, das ist noch lange nicht das schlimmste Elend..."
 
Die Andheri-Hilfe ungterstützt Projekte zur Förderung von Straßen- und Slumkindern, zum Beispiel in Chennai (Südindien). Die Kinder finden dort Zuflucht im Straßenkinderzentrum Karunalaya. Psychologische Betreuung, schulische Förderung und Berufsausbildung sowie die Zusammenarbeit mit den Eltern (wo immer möglich) spielen eine große Rolle.

"Diese Kinder mussten ihr Leben sehr früh selbst in die Hand nehmen", sagt Elvira Greiner. Im Theaterspiel können sie zum Beispiel ihre Erfahrungen aufarbeiten und Mut für ihre Zukunftsplanung finden. Der Titel: „Your life is in your hand!“

Devi, 8 Jahre, ist nur ein Schicksal, dem Elvira Greiner begegnet ist. Ihre Mutter hat die Familie verlassen. Ihr Vater ist Alkoholiker. Er schlug die kleine Tochter, schickte sie zum Betteln statt zur Schule. Mitarbeiter der Organisation „Karunalaya“ fanden das Mädchen halb verhungert am Bahnhof in Chennai. Sie kam ins Straßenkinderzentrum. Heute lebt sie bei ihrem erwachsenen Bruder und geht mit Freude zur Schule.

"Ein Beispiel hat mich bei meinem letzten Besuch in Chennai besonders berührt", erzählt Elvira Greiner: "Während ich mich mit den Kindern unterhielt, stand ein Mädchen, etwa 10-12 Jahre schätze ich, ein wenig abseits, suchte dann aber doch meine Nähe: Nagavalli. Ob sie auch zur Schule gehe, fragte ich. 'Nein', sagte sie und ihr eben noch so strahlendes Lächeln erlosch.

Ihre Eltern sind tot, ihre Großeltern haben sich ihrer mehr schlecht als recht angenommen, erfuhr ich. Wir gingen zu ihrer Hütte. Ich redete mit den alten Leuten, deren Körper von Hunger und harter Arbeit ausgemergelt sind, deren Augen nicht einen Funken Hoffnung zeigten. Sie haben nicht mehr die Kraft, sich um ihre Enkelin zu kümmern. Aber alle waren bereit zu helfen, dass Nagavalli zur Schule gehen kann: die Nachbarinnen, die Projektmitarbeiterinnen. Wenige Wochen nach meiner Rückkehr nach Deutschland dann die gute Nachricht von unserem Partner: 'Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, dass Nagavalli endlich zur Schule geht!'"

Um den Kindern helfen zu können, muss es Arbeit in den Slums geben. Die Vorsitzende der Andheri-Hilfe: "Die Eltern werden motiviert, ihre Kinder zur Schule statt zur Arbeit zu schicken. Gleichzeitig arbeitet unser Partner mit den Müttern zusammen: Sie organisieren sich in Gruppen, beantragen bei der Regierung Trinkwasserversorgung und Abwasserkanäle. Sie sparen kleine Beträge und starten gemeinsam Einkommensprojekte, um so viel zu verdienen, dass sie zum Überleben nicht mehr auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen sind. Die Schwächsten unter ihnen unterstützen sie gemeinsam."

Fotos: Andheri-Hilfe, Elvira Greiner

        

Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok