Protest gegen die Patentierung von Pflanzen und Tieren. ©Greenpeace

Luzern (epo.de).- Trotz zunehmender Proteste erteilt das Europäische Patentamt (EPA) in München weiter Eigentumsrechte an Lebensmitteln, Pflanzen und Saatgut aus konventioneller Zucht. Dies geht aus einem Report hervor, den Greenpeace, „Kein Patent auf Leben!“, die Erklärung von Bern, Swissaid, der Development Fund und Misereor am Freitag  im schweizerischen Luzern vorgestellt haben. In den 500 von der Organisation „Kein Patent auf Leben!“ recherchierten Patent-Anträgen und etwa 70 erteilten Patenten werden neben Mais und Salat auch Bäume, Babynahrung und Bier beansprucht. Die beteiligten Organisationen fordern, dass die Patentflut mit klaren politischen Vorgaben gestoppt wird. Erst vergangene Woche hatten Greenpeace und Misereor Einspruch am EPA gegen die Zucht von Schweinen eingelegt.


„Einige  Agrar-Konzerne  wollen  weitreichende Monopole auf die menschliche Ernährung“,  sagt  Christoph  Then,  Berater  von  Greenpeace und einer der Autoren  des  Reports.  „So kontrollieren inzwischen nur zehn Konzerne zwei Drittel  des  globalen Saatgut-Marktes. Diese Patente sind ein Diebstahl an der  züchterischen  Leistung von Landwirten. Wir brauchen klare gesetzliche Regelungen, die Patente auf Saatgut und Nutztiere verbieten.“

Der  Report  „Saatgut  und  Lebensmittel:  Zunehmende Monopolisierung durch Patente  und  Marktkonzentration“ gibt einen umfassenden Überblick über das Ausmaß  der  Patentierung von Saatgut, Pflanzen und Lebensmittel in Europa. Während  Patentanmeldungen  auf  gentechnisch  veränderte  Pflanzen  in den letzten Jahren rückläufig sind, boomen jetzt die Patentanträge auf Pflanzen aus  konventioneller  Zucht.  Sollte  diese  Praxis in einem bevorstehenden Entscheid  der  Großen  Beschwerdekammer  des EPA gestützt werden, muss mit einer  massiven  Behinderung  der  künftigen  Zuchtarbeit  und mit größerer Abhängigkeit der Bauern gerechnet werden.

„Derartige  Patente verteuern Lebensmittel und können eine neue Ursache für weltweite Nahrungsmittelkrisen werden“, sagt Tina Goethe von Swissaid. „Sie betreffen  Landwirte  und   Verbraucher in den Industrieländern genauso wie die Menschen in den Entwicklungsländern.“

Die  Verbände  haben  zur  Durchsetzung  ihrer  Forderungen  ein weltweites Bündnis  gegründet, dem über 50 landwirtschaftliche Verbände angehören. Auch  in  der  Politik  steht  eine Reform der Patentgesetze wieder auf der Tagesordnung. Die Landesregierungen  von Hessen und Bayern haben bereits erklärt, dass  sie  ein Verbot der Patentierung von Pflanzen und Tieren unterstützen wollen.

Foto: Die Arbeitsgemeinschaft Baeuerliche Landwirtschaft (ABL), der Bund Deutscher Milchviehalter (BDM), Greenpeace, Kein Patent aufLeben! und Misereor protestierten am 23.10.2008 in München mit einer gemeinsamen Demonstration vor dem Europaeischen Patentamt (EPA) gegen die Patentierung von Pflanzen und Tieren. Banner auf Kuh: "Auf mich gibt«s kein Patent!". © Michaela Handrek-Rehle/Greenpeace

 


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