woc 09Berlin (epo.de). - Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Bundesregierung befürchtet, dass der zunehmende Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen zu einer gefährlichen Erwärmung und Versauerung der Weltmeere führt. Anlässlich der World Ocean Conference 2009 (11.-15. Mai) in Manado (Indonesien) warnte der WBGU, die Meeresökosysteme und Fischbestände seien bedroht und die Erwärmung der tropischen Ozeane steigere die Zerstörungskraft der Wirbelstürme. Der Vorsitzende des WBGU, Prof. Hans Joachim Schellnhuber, sprach von einer "besorgniserregenden Situation".

"Noch immer steigt der globale CO2-Ausstoß von Jahr zu Jahr an", erklärte Schellnhuber. "Wenn die Staatengemeinschaft international nicht unverzüglich Maßnahmen ergreift, so dass wir diesen Trend spätestens in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren stoppen und wirklich zu sinkenden Emissionen kommen, können massive Schädigungen der Ozeane und der Küstenregionen in den kommenden Jahrzehnten kaum mehr verhindert werden."

Die weltweite Versauerung der Ozeane, die durch den CO2-Eintrag in das Meerwasser ausgelöst wird, ist nach Angaben des WBGU bereits deutlich messbar. Folgen seien erschwerte Wachstumsbedingungen für kalkbildende Organismen wie Korallen. Die verminderte Kalkbildung könne indirekt dazu führen, dass sich auch die Lebensbedingungen anderer Meeresorganismen verschlechtern. So könnten sich beispielsweise sauerstoffarme Zonen in tieferen Wasserschichten ausbreiten.

Zudem beschleunigt sich der Meeresspiegelanstieg nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Abschmelzens von Kontinentaleis. Die Ozeane leiden bereits unter Überfischung, Verschmutzung, Überdüngung, der Verbreitung nicht nachhaltiger Aquakulturen und der Ausbeutung mariner Bodenschätze.

KONZEPT UND POLITISCHER WILLE FEHLEN

Nach Ansicht des WBGU "fehlt der politische Wille zur raschen und wirksamen Bekämpfung von Erwärmung und Versauerung der Meere". Außerdem gebe es kein umfassendes internationales Konzept zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Meere. Beestehende völkerrechtliche Regelungen wie das UN-Seerechtsübereinkommen seien nicht ausreichend. "Kompetenzüberschneidungen der Institutionen, die für den Schutz der Ozeane zuständig sind, führen zu Ineffizienz", kritisieren die Wissenschaftler.

Der WBGU erneuert und bestärkt deshalb seine "dringende Empfehlung, dem Klimaschutz höchste Priorität einzuräumen". Die schnelle und drastische Minderung der Treibhausgasemissionen sei "eine unabdingbare Voraussetzung für den Schutz und die künftige nachhaltige Nutzung der Meere". Die im Dezember stattfindenden Verhandlungen zum Klimaschutz in Kopenhagen seien von "zentrale Bedeutung".

NACHHALTIGE BEWIRTSCHAFTUNG

Aus der Sicht des Wissenschaftlichen Beirates müssen die Meeresressourcen "dringend besser geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden". Nur so könne die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen gegenüber höheren Meerestemperaturen und Versauerung gestärkt werden. Dazu gehöre auch die Einrichtung eines Netzwerks aus Meeresschutzgebieten, das 20 bis 30 Prozent der Ozeanfläche einnehmen sollte. Die Bundesregierung solle sich in der Europäischen Union und international dafür einsetzen, fordert der WBGU.

"Jeder fünfte Mensch lebt weniger als 30 Kilometer vom Meer entfernt und ist unmittelbar durch Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten bedroht", warnen die Wissenschaftler. "Daher müssen nationale und internationale Strategien für Schutz und Anpassung weiterentwickelt werden. Dies schließt auch Pläne für einen Rückzug aus gefährdeten Gebieten ein."

RECHTSSICHERHEIT FÜR UMWELTMIGRANTEN

Darüber hinaus muss es auch darum gehen, Meeresflüchtlingen Rechtssicherheit zu geben, heißt es in der Mitteilung des WBGU. Im Völkerrecht gebe es derzeit weder eine Verpflichtung zur Aufnahme von Menschen, die aufgrund des Klimawandels Küstengebiete oder Inseln verlassen müssen, noch sei die Kostenfrage geregelt. "Langfristig wäre daher eine Quotierung vorstellbar, bei der Staaten differenziert Verantwortung für die Flüchtlinge übernehmen müssten", stellt der WBGU fest.

Schließlich hält der WBGU eine Anpassung der völkerrechtlichen Vereinbarungen (insbesondere des UN-Seerechtsübereinkommens) an die aktuellen Herausforderungen für dringend erforderlich.

www.woc2009.org
www.wbgu.de



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