AEOParis/Berlin (epo.de). - Die Ökonomien Afrikas werden von der gobalen Finanz- und Wirtschaftskrise hart getroffen. Das prognostiziert der Africa Economic Outlook (AEO), der am Montag vom Entwicklungszentrum der OECD, der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) und von der UN-Kommission für Afrika in Paris und Berlin veröffentlicht wurde. Dem Bericht zufolge sackt das durchschnittliche Wirtschaftswachstum, das in den letzten fünf Jahren stets über fünf Prozent gelegen hatte, im laufenden Jahr auf 2,8% ab. Ursachen sind vor allem sinkende Rohstoffpreise und Auslandsinvestitionen sowie ein Rückgang der Geldbeträge, die Migranten aus Übersee nach Afrika überweisen.

Als Pluspunkt sieht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die "vorsichtige makroökonomische Politik", die viele afrikanische Länder in der Vergangenheit an den Tag gelegt hätten. Der Bericht umfasst 47 afrikanische Staaten. Er verweist auf ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 5,7% vor dem Ausbruch der Krise. Im Jahr 2009 könne der Kontinent nur noch ein Wachstum von 2,8% erreichen, heißt es in dem Bericht. 2010 werde sich die Wirtschaft voraussichtlich wieder auf 4,5% erholen.

Nach den Prognosen des AEO werden sich der "Kollaps der Rohstoffpreise" auf dem Weltmarkt und die sinkende Nachfrage aus den Industrieländern negativ auf die Zahlungsbilanzen auswirken, so dass das regionale Defizit im Jahr 2009 bei 5,5% des Bruttoeinkommens liegen dürfte. 2008 hatte es noch ein Plus in der regionalen Zahlungsbilanz von 3,4% gegeben. Auch die ausländischen Direktinvestitionen waren 2008 noch um 10% gestiegen.

HALBIERUNG DER ARMUT IN WEITER FERNE

Die Autoren des AEO-Berichts rechnen auch mit einem Rückgang der staatlichen Entwicklungshilfeleistungen (ODA) für Afrika. Da die Finanzkrise jetzt zu einer Wirtschaftskrise geworden sei, würden "viele Menschen wieder in Armut zurückfallen". Nur eine Handvoll afrikanischer Länder befänden sich noch auf dem Weg, das Millenniums-Entwicklungsziel der Vereinten Nationen erfüllen zu können, das die Halbierung der Armut bis zum Jahr 2015 vorsieht.

"Wir sollten trotzdem nicht verzweifeln", sagte der Chefökonom der Afrikanischen Entwicklungsbank, Louis Kasekende. Die afrikanischen Volkswirtschaften seien "durch ein Jahrzehnt der Reform" effizienter und wettbewerbsfähiger geworden.

Die internationalen Finanzinstitutionen warnten wiederholt vor protektionistischen Maßnahmen in Zeiten der Krise. Ungeachtet dessen zielen die hunderte Milliarden schweren Konkjunkturprogramme in den meisten Industriestaaten jedoch auf den Schutz der eigenen Schlüsselindustrien. Die afrikanischen Staaten sollten hingegen keine politischen Maßnahmen ergreifen, "die eine weitere Integration des Kontinents in die globale Handels- und Finanzumgebung hemmen könnten", fordert Kasekende.

IKT HELFEN BEI DER ENTWICKLUNG

Ein Schwerpunkt der Publikation widmet sich Innovationen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Trotz einer vergleichsweise geringen Verbreitung von IKT in Afrika sei eine innovative Nutzung dieser Technologien beim E-Banking, bei elektronischen Zahlungsmitteln, in Landwirtschaft und Handel, in der Bildung und in der Verwaltung festzustellen, heißt es in dem Bericht.

Viele IKT-Anwendungen seien in der Lage, die Marktentwicklung, die Infrastruktur und die Kosten für Unternehmen positiv zu beeinflussen, loben die Autoren des AEO. Afrikanische Länder könnten so den eigenen Konsum und die eigenen Investitionen fördern und damit die Gefahr "externer Schocks und Krisen" verringern.  

GRÜNE: ZUSAGEN FÜR AFRIKA EINHALTEN

Die Sprecherin für Entwicklungspolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Ute Koczy, erklärte zum AEO, die von der Afrikanischen Entwicklungsbank und der OECD vorgelegten Zahlen bestätigten die Befürchtungen. "Ein durchschnittlich um die Hälfte sinkendes Wirtschaftswachstum führt zu mehr Armut. Der Rückgang der Rohstoffpreise und der Nachfrage aus Industrieländern schlägt voll durch."

Um diese Entwicklung zumindest zu lindern, müssten die Industrieländer "gerade jetzt die Zusagen für die Unterstützung Afrikas einhalten". Weltbank, Europäische Kommission und bilaterale Geber müssten ihre Programme in Afrika schneller und unbürokratischer umsetzen. Koczy forderte insbesondere die Förderung sozialer Sicherungssysteme, Investitionen in die ländliche Entwicklung und den Ausbau der Infrastruktur. Außerdem müssten die Industrieländer "den Marktzugang für afrikanische Produkte einseitig verbessern und vor allem die Markt zerstörenden Agrarexportsubventionen stoppen".

Auf der afrikanischen Seite müsse eine "bessere Regierungsführung und mehr Transparenz" verwirklicht werden. Ebenso unabdingbar sei der Aufbau verlässlicher Steuersysteme. In Ländern, die von Bürgerkrieg oder Konflikten geprägt seien, wie Simbabwe, Sudan, Somalia oder Madagaskar, könnten solche Maßnahmen aber erst greifen, wenn sie ihre innere Zerrissenheit überwunden hätten.

www.oecd.org/de/africaneconomicoutlook
www.africaneconomicoutlook.org
www.gruene-bundestag.de

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