www.iwcoffice.org/Madeira/München (epo.de).- "Die Gewinner sind Dänemark und Japan, die Verlierer sind die Wale und die Europäischen Union." So lautet das Fazit der Artenschutzorganisation Pro Wildlife zur Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC), die am Donnerstag zu Ende ging. "Die EU ist bei kontroversen Themen nicht mehr in der Lage, sich zu einigen und für den Walschutz einzutreten. Mit einem einzigen Antrag auf Fangquoten für Buckelwale in Grönland konnte Dänemark die gesamte EU auch bei anderen Themen lahmlegen", berichtete Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der IWC-Tagung teilgenommen hat, am Freitag. "Und das ist umso fataler, weil sich viele Länder an der Position der EU orientieren. Bekommt die EU dies künftig nicht in den Griff, kann sie zum Walschutz nicht mehr viel beitragen", so das Fazit Altherrs.

Zwei Dinge lähmten die EU-Staaten auf der diesjährigen Walfangtagung, argumentiert Pro Wildlife: Die Verhandlungen um einen Kompromiss, der Japan künftig Küstenwalfang genehmigen könnte, und ein Antrag Dänemarks auf eine Fangquote von jährlich zehn Buckelwalen. "Die Verhandlungen der IWC mussten immer wieder unterbrochen werden, weil die EU sich nicht auf eine gemeinsame Stellungnahme einigen konnte. Viele Staaten reagierten zu Recht mit Spott und Verärgerung auf diese schlecht vorbereitete EU", so die Pro Wildlife-Sprecherin. Beide Themen seien nun in Interims-Arbeitsgruppen verlegt worden, bei denen Verbände draußen bleiben müssten.

Pro Wildlife  sieht im geplanten Kompromiss "Sprengstoff" für die Internationalen Walfangkommission, denn: "Die gesamten IWC-Verhandlungen unterlagen der Forderung Japans, dass keine kontroversen Themen diskutiert werden dürfen. Damit sollten die Verhandlungspartner ihren ,guten Willen' zeigen und die weiteren Gespräche über einen Kompromiss nicht belasten." Die Konsequenzen für die Artenschutorganisation: Dieser Kompromiss würde unter anderem Japan den kommerziellen Küstenwalfang genehmigen, wenn es im Gegenzug seinen so genannten Wissenschaftswalfang reduzieren würde. Diese Verhandlungen sollten bis zur nächsten IWC-Tagung im Sommer 2010 in einer kleinen Arbeitsgruppe weitergeführt werden. Und Japans Rechnung sei aufgegangen: "Während die Walfangländer seit Monaten mit immer neuen Fangquoten und Walfleischlieferungen provozieren, verlangen sie von den Walschutzländern Stillhalten. Und diese fügen sich widerstandslos. Für die Wale ist dies brandgefährlich." Die Walfangländer indes seien ganz und gar nicht passiv: Dänemark sprenge das Walschutz-Engagement der EU.

DÄNISCHER "SPRENGSATZ"

Ureinwohner in Grönland dürften laut IWC derzeit 212 Zwergwale, neun Finnwale und zwei Grönlandwale zur Selbstversorgung fangen. Doch nun wolle Dänemark für sein Territorium Grönland eine zusätzliche jährliche Fangquote von zehn Buckelwalen. Begründet wird dies mit dem Bevölkerungswachstum auf Grönland. Tierschützer bezweifeln jedoch den erhöhten Bedarf: "Die Grönländer schöpfen ihre aktuelle Fangquote gar nicht aus, und ein Großteil des Fleisches erlegter Tiere wird überhaupt nicht verwendet", sagt Altherr. Viele EU-Länder hätten dies während der IWC-Verhandlungen ähnlich gesehen und sich zunächst dem Antrag Dänemarks widersetzt. Nach tagelangem Tauziehen und unzähligen Koordinationstreffen habe die IWC jedoch am Donnerstag morgen beschlossen, die Entscheidung zu Dänemarks Buckelwalen in eine kleine Arbeitsgruppe zu verlagern. "Dort getroffene Absprachen müssen auf der nächsten Jahrestagung 2010 zwar nochmals formell bekräftigt werden, aber kaum ein Land es wird nach diesem Eklat wagen, die Absprachen der Arbeitsgruppe anzuzweifeln", so Altherr.

Damit sei es Dänemark mit Unterstützung der anderen skandinavischen Länder gelungen, die EU derart zu entzweien, dass alle internen Abstimmungen zur EU-Position vom Thema Buckelwale überlagert würden. "Bei anderen drängenden Fragen, wie den Gesundheitsrisiken durch Walfleisch, versanken die EU-Länder in Lethargie. Damit haben die Walfangländer Fortschritte beim Walschutz auf breiter Front verhindert", kritisiert die Pro Wildlife Sprecherin. Zum Engagement der deutschen Delegation sagt sie: "Bei der Belastung von Walfleisch mit Giftstoffen hatten wir leider keine Unterstützung, für die Buckelwale hat Deutschland jedoch großartig gekämpft."

Abbildung: Die Homepage der Internationalen Walfangkommission

Weitere Informationen:
Pro Wildlife
Internationale Walfangkommission

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