ODA für LawiBerlin (epo.de). - Seit Jahren wird beklagt, dass die staatliche Entwicklungshilfe für den Agrarsektor immer mehr zurückgefahren worden ist. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie von Oxfam belegt dies nun mit Zahlen. Demnach haben die Geberländer ihre landwirtschaftliche Hilfe in den letzten Jahrzehnten um 75 Prozent auf rund fünf Milliarden US-Dollar gekürzt. "Um Bauern und Bäuerinnen in Entwicklungsländern eine Chance zu geben, dauerhaft für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen, sind aber mindestens 25 Milliarden US-Dollar nötig", erklärte Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale.

Die Staats- und Regierungschef der Welt, vor allem die der G8-Staaten seien gefordert, die notwendigen Mittel bereitzustellen, sagte Wiggerthale. Investitionen, die arme Bauern in ertragsschwachen und benachteiligten Gebieten gezielt unterstützen, seien dringend erforderlich. Ohne diese Hilfe könnte sich die Lebensmittelkrise dramatisch verschärfen. Die Zahl der weltweit hungernden Menschen sei allein im Jahr 2008 um 100 Millionen gestiegen.

Programme zur Förderung der Landwirtschaft in weniger fruchtbaren und abgelegenen Regionen müssen laut der Studie "Investing in poor farmers pays" vor allem auf agrar-ökologische Anbauverfahren setzen, um Bodenschutz und Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern.

Anteil der Agrarhilfen an der staatlichen Entwicklungshilfe. Grafik: Oxfam

"Öffentliche Investitionen in die einheimische Lebensmittelproduktion zahlen sich aus", betonte Wiggerthale. Das zeigten Expertenanalysen am Beispiel von Ruanda. Eine Steigerung der ruandischen Wirtschaftsleistung im Bereich der Grundnahrungsmittelproduktion um ein Prozent bekämpfe Armut besonders wirksam. Der gleiche Anstieg des Bruttoinlandprodukts, der auf dem Export von Agrarprodukten oder einem Wachstum in nicht-landwirtschaftlichen Sektoren beruhe, verbessere die Situation der Menschen dagegen nur geringfügig.

KEINE STIMME - KEINE FÖRDERUNG

"Bauern in unzugänglichen Gebieten mit unfruchtbaren Böden werden häufig bei der Förderung vergessen", so Wiggerthale. Sie seien schwer zu erreichen, sozial marginalisiert und hätten keine Stimme in der nationalen Politik. "Ihre Unterstützung zahlt sich jedoch dreifach aus: Sie reduziert Armut, verbessert die Ernährungssituation und mindert die Folgen des Klimawandels durch umweltverträglichen Anbau."

Staatliche Hilfe für die Landwirtschaft in Mrd. Dollar. Grafik: Oxfam

Programme zur Förderung der Landwirtschaft müssten langfristig angelegt sein, heißt es in der Studie. "Es muss einen Paradigmenwechsel geben, weg von technologiefixierten Ansätzen hin zu umweltschonenden", erklärte Wiggerthale. Eine Landbewirtschaftung, die weniger auf Düngemittel und Pestizide setze, sondern auf ökologische Anbaumethoden und traditionelles Wissen, könne die Armut bei diesen schwer erreichbaren Bevölkerungsgruppen reduzieren und gleichzeitig zum Klima-, Wasser- und Naturschutz beitragen. "Die Geldgeber und Regierungen müssen vernünftige Investitionen tätigen, um die Ernährungs- Finanz- und Klimakrise umfassend anzugehen", forderte Wiggerthale.

Studie "Investing in poor farmers pays" (PDF)
www.oxfam.de

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