tdr2009_150Genf/Berlin (epo.de). - Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat dramatische Auswirkungen auf die Entwicklungsländer. Die Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen seien deshalb vor allem in Subsahara-Afrika bis zum Jahr 2015 "so gut wie unmöglich zu erreichen", heißt es im Handels- und Entwicklungsbericht 2009 der UNCTAD, der am Montag veröffentlicht worden ist. Nur durch eine strikte Regulierung der Finanzmärkte und ein neues Wechselkurs-Management sei eine Wiederholung dieser globalen Krise zu vermeiden.

Fast alle Entwicklungsländer hätten seit Mitte 2008 einen starken Rückgang ihres Wirtschaftswachstums zu verzeichnen, viele seien bereits in die Rezession gerutscht, so die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Der Bericht mit den Untertiteln "Responding to the global crisis" und "Climate change mitigation and development" sieht einen Rückgang des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,5 Prozent für das Jahr 2009 voraus. In Lateinamerika rechnen die UNCTAD-Ökonomen mit einem BIP-Rückgang von 2 %, auch West- und Süostasien werden in die Rezession rutschen. In Nordafrika verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum auf 3 % und Subsahara-Afrika auf 1 %. Für Ost- und Südasien sieht die UNCTAD ein Wachstum von 3 bis 4 % voraus. Vor allem Indien und China hätten aufgrund der wachsenden Bedeutung ihrer großen Binnenmärkte der Krise besser widerstanden als andere Märkte.

Während sich die Industriestaaten Rettungspakete für den maroden Finanzsektor und Konjunkturpakete zur Wiederankurbelung der Wirtschaft leisten konnten, sind die meisten Entwicklungs- und Schwellenländer auf die finanzielle Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen. Die UNCTAD kritisiert insbesondere die unzureichende finanzielle Ausstattung des IWF für diese Aufgabe und die prozyklische Konditionalisierung der Hilfen, die - offiziell um das "Vertrauen" der Finanzmärkte wiederzuerlangen - zu Massenentlassungen und Armut führten.

In der gegenwärtigen "dramatischen Krisensituation" benötigten die Länder mit geringem Einkommen deshalb mehr staatliche Entwicklungshilfe (ODA), heißt es im "Trade and Development Report 2009". Auch ein Moratorium bei der Rückzahlung ihrer Auslandsschulden an öffentliche Geber würde den ärmsten Ländern helfen, Importe und öffentliche Ausgaben aufrechterhalten zu können.

URSACHEN UND FOLGEN DER KRISE

Die gegenwärtige Krise ist aus der Sicht der UNCTAD-Ökonomen unter der Leitung von Heiner Flassbeck vor allem auf die "exzessive Deregulierung" der Finanzmärkte und ein blindes Vertrauen gegenüber dubiosen neuen Finanzprodukten zurückzuführen. Die Finanzwirtschaft habe so eine Dominanz über die Realwirtschaft erlangt. Im Ergebnis sei der Einfluss der von Spekulanten aufgebauten Schattenwirtschaft nicht nur in den Finanzmärkten, sondern auch im Währungssystem und auf den Rohstoffmärkten immer mehr gestiegen.

Angesichts drastischer Unterkapazitäten in der Produktion und eines dramatischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit sieht die UNCTAD nur eine geringe Gefahr der "Überhitzung" der Ökonomien. "Deflation, nicht Inflation ist die reale Gefahr". Berichte über ein Anspringen der Konjunktur in den Industrieländern seien mit Vorsicht zu genießen, , warnt der Report. Für 2010 sei allenfalls ein Anstieg des globalen BIP von 1,6 Prozent zu erwarten.

www.unctad.org

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