unesco_deBonn (epo.de). - Die weltweiten Fortschritte bei der Alphabetisierung haben sich in den letzten Jahren verlangsamt. Durch das Bevölkerungswachstum steige die absolute Zahl der Analphabeten in vielen Regionen weiter, teilte die Deutsche UNESCO-Kommission anlässlich des Welt-Alphabetisierungstages am Dienstag in Bonn mit. Derzeit können weltweit 776 Millionen Menschen nicht lesen und schreiben. Trotz aller Bemühungen werden nach UN-Schätzungen auch im Jahr 2015 mehr als 700 Millionen Menschen weder lesen noch schreiben können.

"Die Weltkarte des Analphabetismus spiegelt die Karte der Armut wider. Die Fähigkeit zu schreiben und zu lesen, ist Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Nur wer lesen und schreiben kann, kann die eigenen Interessen wirksam zur Geltung bringen", erklärte Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. "Wir brauchen auch Bildungsprogramme, die sich speziell an Frauen wenden, da Frauen in vielen Gesellschaften erheblich benachteiligt sind. Nach wie vor sind fast zwei Drittel der Analphabeten Frauen und Mädchen."

80 Prozent der Analphabeten leben in nur 20 Ländern, die Hälfte von ihnen in Bangladesch, China und Indien. Während einige Länder im Vergleich zum Zeitraum 1985 bis 1994 deutliche Fortschritte gemacht hätten, darunter Ägypten, Algerien, China, Indien, Indonesien und die Türkei, seien die Entwicklungen insgesamt "nicht zufrieden stellend", erklärte die UNESCO.

Um gute Praxisbeispiele zur Alphabetisierung aus aller Welt bekannt zu machen und ähnliche Projekte in anderen Ländern anzuregen, vergibt die UNESCO in Paris am Welttag der Alphabetisierung jährlich vier internationale Preise. Sie gehen in diesem Jahr an Projekte in Afghanistan, Burkina Faso, Indien und den Philippinen.

Zu den Preisträgern gehört das Aktionsprogramm "Khabar Lahariya – news wave", eine Zeitung, die alle vierzehn Tage im Norden Indiens erscheint. Frauen, die einer "unteren" Kaste angehören, schreiben die Artikel und veröffentlichen die Zeitung. Diese wird an 20.000 Menschen verteilt, die erst kürzlich Lesen und Schreiben gelernt haben.

2009 ist der Welttag der Alphabetisierung speziell dem Thema "Alphabetisierung und Selbstbestimmung" gewidmet. Lesen und Schreiben sind entscheidende Fähigkeiten, um an der Gesellschaft teilzuhaben, eine Beschäftigung zu finden und die Gesundheit zu schützen. Menschen, die lesen und schreiben lernen, sind besser gegen Armut gerüstet. Für die UNESCO ist Bildung daher ein wichtiger Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung.

Die Vereinten Nationen haben für den Zeitraum 2003 bis 2012 die Weltdekade der Alphabetisierung ausgerufen, deren Federführung die UNESCO übernommen hat. Ziel der Dekade ist es, die Analphabetenrate bei Erwachsenen bis zum Jahr 2015 um die Hälfte zu reduzieren.

www.unesco.org

Kommentare   

0 #1 Zynga 2015-04-17 15:58
Dieser Ziel wurde in Deutschland nicht erreicht!

14,5% der erwachsenen in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben. (Leo-Studie,2011).

Wenn Deutschland mehr Geld in Bildung investieren würde und eine strategie -nicht für die Menschen sondern mit den Menschen- umsetzten würde, konnten wir mehr als dieser Ziel in Deutschland erreichen.

Wer prüft das? Wer verpflichtet endlich die Länder was zu tun? Wann werden wir endlich eine Lobby in Deutschland für / mit diesen Menschen, so genannte "funktionale Analphabeten" haben?
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