unoNew York/Berlin (epo.de). - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den von ihm einberufenen Klimagipfel vorsichtig als Erfolg gewertet. “Dieser Gipfel signalisiert die Bereitschaft der führenden Politiker der Welt, die Herausforderung anzunehmen und in Kopenhagen ein umfassendes Abkommen abzuschließen”, erklärte Ban nach Abschluss der eintägigen Konferenz am Dienstag abend in New York. Politiker wie der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel und Umweltorganisationen äußerten sich angesichts fehlender konkreter Ergebnisse dagegen skeptisch.

Rund 100 Staats- und Regierungschefs hatten an den Beratungen in New York teilgenommen. “Die Welt hat Ihre Worte gehört. Lassen Sie jetzt Taten folgen”, mahnte Ban die Gipfelteilnehmer. Die bisher eingegangenen Verpflichtungen zur Reduzierung der Treibhausgase nannte Ban “ungenügend”.

Dänemarks Regierungschef Lars Lokke Rasmussen, der Gastgeber des Klimagipfels im Dezember in Kopenhagen sein wird, auf dem ein Nachfolge-Abkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen werden soll, nannte das New Yorker Treffen einen “Schritt in die richtige Richtung”. US-Präsident Barack Obama forderte einschneidende Maßnahmen, um eine Klimakatastrophe zu verhindern. Er vermied jedoch konkrete Aussagen über den US-Beitrag zum Klimaschutz.

Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) zeigte sich deshalb enttäuscht. Für ein neues Klimaschutzabkommen in Kopenhagen fehle die Unterstützung der Regierungschefs, der Finanz- und Wirtschaftsminister. Gabriel schlug ein weiteres G20 Gipfeltreffen vor der Kopenhagener Konferenz vor. "Es ist ein Fehler, dass sich die G20 praktisch nur auf das Weltfinanzsystem konzentrieren und sich immer nur am Rande in salbungsvollen Reden mit dem Klimathema befassen", kritisierte Gabriel mit Blick auf den am Donnerstag in Pittsburgh beginnenden G20 Gipfel.

Die Klimaexpertin der Umweltorganisation WWF, Regine Günther, forderte, den Worten von New York müssten “auch Taten folgen". Von hoffnungsvollen Signalen, denen aber die konkrete Umsetzung fehle, sprach der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Hubert Weiger.

Enttäuschung machte sich vor allem in den Delegationen der am meisten vom Klimawandel bedrohten Ländern breit. Der Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, sagte: “Wenn Sie so weitermachen wie bisher, werden wir untergehen. Wir können es nicht zulassen, dass in Kopenhagen ein Pakt für unseren Selbstmord unterschrieben wird.” Nasheed verlieh seiner Frustration Ausdruck: “We at the Maldives desperately want to believe that one day our words will have an effect, and so we continue to shout them even though, deep down, we know that you are not really listening.”

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer zeigte sich zunehmend enttäuscht vom tatsächlichen Willen der Politiker, die notwendigen Maßnahmen zum Schutz des Klimas zu ergreifen und umzusetzen. "Das Positive am Gipfel ist, dass er die Problematik des Klimawandels vor aller Welt deutlich macht. Aber trotzdem wird nicht gehandelt", so Sayer.

"Die EU zeigt weiterhin keine dynamische Führungsrolle und auch das Verhalten der USA, des zweitgrößten Verursachers von Treibhausgasen, ist weiterhin enttäuschend", erklärte Sayer. Der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren sowie der Exekutivsekretär des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, engagierten sich dagegen in herausragender Weise für weitreichende Beschlüsse beim Klimaschutz.

Sayer war Mitglied einer Delegation der katholischen Kirche, von Bischöfen, Hilfswerken und deren Partnern aus Entwicklungsländern in New York. In Gesprächen sei klar geworden, dass die Entwicklungsländer Hilfe zur Anpassung an den Klimawandel, den sie nicht verursacht haben, brauchen. "Dies ist eine globale Krise und sie muss auch global beantwortet werden, und zwar schnell", sagte Raila Odinga, Premierminister von Kenia. Schon seit drei Jahren leiden in Kenia mehr als zehn Millionen Menschen unter einer Hungerkrise, die Sayer zufolge “direkt mit den klimatischen Veränderungen in Zusammenhang steht”.

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