ti_report_2009New York/Berlin (epo.de). - Allein in Entwicklungs- und Transformations-Ländern bestechen Unternehmen korrupte Politiker und Regierungsbeamte nach Schätzungen von UNO und Weltbank mit jährlich bis zu 40 Milliarden US-Dollar. Der am Mittwoch in New York veröffentlichte “Global Corruption Report 2009” von Transparency International (TI) richtet den Fokus auf die Privatwirtschaft und weist darauf hin, dass Bestechung, Preiskartelle und unzulässige Einflussnahme auf die Politik immense Kosten verursachen und eine nachhaltige Entwicklung verhindern.

Der Bericht zeigt, wie korrupte Praktiken den fairen Wettbewerb unterminieren umd wirtschaftliches Wachstum hemmen. Letztlich werde dadurch auch die Existenz der Unternehmen gefährdet, warnt Transparency International. Korruption führe zu sinkender Arbeitsmoral und zu einem Vertrauensverlust bei Kunden und Geschäftspartnern. Die Risiken erwischt zu werden steigen nach Angaben von Transparency: Allein in den letzten zwei Jahren hätten Unternehmen wegen korrupter Praktiken Milliarden an Bußgeldern zahlen müssen.

“Eine Kultur unternehmerischer Integrität sichert Investitionen, steigert den Geschäftserfolg und fördert Stabilität”, betonte die TI-Vorsitzende Huguette Labelle. “Insbesondere in einer Zeit, in der wir uns von einer historischen Krise erholen, muss Integrität gefördert werden.”

Zahlreiche Fälle im Bericht dokumentieren, wie Manager, Mehrheitsaktionäre und andere Wirtschaftsakteure die ihnen anvertraute Macht zu ihrem privaten Vorteil missbrauchen und Eigentümer, Investoren, Arbeitnehmer und die Gesellschaft insgesamt schädigen.

Die Hälfte der Manager multinationaler Firmen schätzt laut Umfragen von Transparency International, dass sich die Projektkosten durch Korruption um mindestens zehn Prozent verteuern. Letztlich müssten die Bürger dafür bezahlen, so TI: Weltweit würden den Verbrauchern dadurch Mehrkosten von schätzungsweise 300 Milliarden US-Dollar aufgebürdet. Im Zeitraum 1990 bis 2005 seien fast 300 internationale Kartelle entdeckt worden, die die Preise zu ihren Gunsten manipulierten.

In Deutschland wurde die OECD-Konvention zur Auslandsbestechung 1999 in nationales Recht umgesetzt. Aber erst mit dem Siemens-Skandal im Herbst 2006 sei eine breite Debatte in deutschen Unternehmen über Auslandsbestechung und Korruptionsprävention in Gang gesetzt worden, kritisiert TI. Und im vergangenen Jahr hätten immer noch mehr als 80 Prozent der Manager in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA angegeben, nicht mit den Regelungen zum Verbot der Auslandsbestechung vertraut zu sein.

ANTIKORRUPTIONSMASSNAHMEN LOHNEN SICH

Integrität im Wirtschaftsverkehr zahlt sich TI zufolge aus. Eine Studie aus dem Jahr 2007 zeige, dass Unternehmen, die Maßnahmen gegen Korruption ergreifen und ethische Richtlinien einführen, bis zu 50 Prozent weniger von Korruption betroffen sind. Die Wahrscheinlichkeit, Unternehmensaufträge zu verlieren, sei geringer als bei Firmen, die sich nicht gegen Korruption schützen. Eine integre Unternehmenspolitik ziehe zudem vertrauensvolle und loyale Mitarbeiter an, die wichtige Voraussetzungen für den Unternehmenserfolg seien.

Der Bericht führt Vorschläge an, wie Unternehmen Verhaltenskodizes und Antikorruptionsprogramme organisatorisch umsetzen und ihre Mitarbeiter schulen können. Dazu gehöre, dass über diese Maßnahmen – möglichst standardisiert – öffentlich berichtet wird. Obwohl fast 90 Prozent der 200 weltweiten Spitzenunternehmen Verhaltenregeln eingeführt haben, überwachen dem Global Corruption Report zufolge weniger als die Hälfte deren Einhaltung und Umsetzung. Ein gemeinschaftliches Vorgehen (“collective action”) auf der Grundlage von international anerkannten Standards wie den “OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen” hilft Firmen bei der Definition und Umsetzung integrer Verhaltensweisen.

In Deutschland sei das größte Defizit allerdings die fehlende Ratifizierung der UN-Konvention gegen Korruption. “Hier hat die große Koalition in der vergangenen Legislaturperiode versagt”, hält TI fest. Deutschland werde deshalb im November bei der dritten Vertragsstaatenkonferenz in Doha bei den Verhandlungen über weltweite Überwachungsmechanismen nicht gleichberechtigt teilnehmen können. Der deutschen Wirtschaft schade auch das Fehlen eines Korruptionsregisters, das Fehlen eines umfassenden Hinweisgeberschutzes und das Fehlen von Transparenzanforderungen bei der freihändigen und beschränkten Vergabe.

2009 Global Corruption Report: Corruption and the Private Sector


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