Aids-Aktion New York/Berlin (epo.de). - Ärzte ohne Grenzen hat die neun Hersteller der wichtigsten HIV/Aids-Medikamente aufgefordert, ihre Patente in einen Pool zu geben. Die medizinische Hilfsorganisation erhofft sich davon eine bessere Verfügbarkeit neuer Medikamente für Millionen Menschen mit HIV/Aids vor allem in ärmeren Ländern. Denn sobald Resistenzen eintreten, müssen Patienten zu wirksameren Arzneien wechseln.   

In einem Patentpool stellen Patentinhaber ihre Patente anderen Herstellern für Produktions- oder Entwicklungszwecke zur Verfügung. Im Bereich der digitalen Telekommunikation habe dieser Mechanismus zu einem Innovationsschub geführt, so Ärzte ohne Grenzen.

"Die Idee ist einfach. Unternehmen teilen ihr Wissen, erhalten dafür faire Lizenzgebühren und die Generika-Firmen können günstige Nachahmerpräparate entwickeln", erklärte Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Berlin. "Dieser Kompromiss kann den Zugang zu HIV/Aids-Medikamenten grundlegend verändern."

Die internationale Einrichtung UNITAID zum Erwerb von Medikamenten gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose errichtet derzeit einen Pool für HIV/Aids-Medikamentenpatente. Für den Erfolg dieses Pools ist die Teilnahmebereitschaft der Patentinhaber ausschlaggebend.

"Nun liegt es an den großen Pharmafirmen. Wir fordern sie auf, sich für das Wohl der HIV-Patienten zu entscheiden", erklärte Moldenhauer anlässlich des Starts einer E-Mail-Kampagne. "Dies ist die Gelegenheit für Pharmafirmen, zu zeigen, dass sie wirklich dazu beitragen wollen, den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten für Aids-Kranke in ärmeren Ländern zu ermöglichen. Einige Unternehmen haben bereits Interesse an der Idee bekundet, aber sie müssen noch weiter gehen und die wesentlichen Patente in den Pool geben."

Für HIV/Aids-Patienten wären die Auswirkungen laut Ärzte ohne Grenzen enorm. Ein Patentpool würde die Verfügbarkeit von kostengünstigeren Versionen der lebensrettenden Medikamente stark verbessern. "Diese Gelegenheit kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt", erklärte Eric Goemaere, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. "Bei vielen unserer Patienten haben sich Resistenzen gebildet. Sie müssen nun zu neueren wirksameren Medikamenten wechseln. Da diese aber für sie entweder nicht verfügbar oder bezahlbar sind, sind die Patienten wieder vom Tod durch Aids bedroht."

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mehr als 140.000 HIV/Aids-Patienten in rund 30 Ländern weltweit. Über die Website der Kampagne können Interessierte E-Mails an die Unternehmen Abbott, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Johnson&Johnson, Gilead Sciences, GlaxoSmithKline, Sequoia, Merck und Pfizer schicken und die Firmen auffordern, ihre HIV-Medikamente in den Pool zu geben. Unterstützt wird die Aktion vom Aktionsbündnis gegen Aids, der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), der Initiative Innovation für alle, Oxfam Deutschland und World Vision Deutschland.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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