whi_2009_cover_150Berlin (epo.de). - In 29 Ländern der Erde ist die Hungersituation ernst oder sogar gravierend. Das geht aus dem Welthunger-Index 2009 hervor, den das International Food Policy Research Institute (IFPRI) und die Welthungerhilfe am Mittwoch in Berlin der Öffentlichkeit vorstellten. Während in Südasien im Vergleich zu 1990 erhebliche Erfolge im Kampf gegen den Hunger erzielt werden konnten, machte Afrika nur geringe Fortschritte. Die schlechtesten Werte im Welthunger-Index weisen die Demokratische Republik Kongo, Burundi, Eritrea, Sierra Leone, Tschad und Äthiopien auf.

Der Welthunger-Index (WHI) ist ein mehrdimensionaler Ansatz für die Berechnung von Hunger. Er setzt sich aus drei gleichwertigen Indikatoren zusammen: dem Anteil der Unterernährten an der Bevölkerung in Prozent, dem Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit Untergewicht und der Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren.

Der WHI 2009 basiert auf Daten aus dem Jahr 2007 und spiegelt somit nicht den aktuellen Stand der Welternährungslage wider. Die Welternährungsorganisation FAO verwies in einem ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Bericht darauf, die Kombination aus Weltwirtschaftskrise und Ernährungskrise werde die Zahl der Hungernden weltweit in diesem Jahr erstmals über die historische Marke von einer Milliarde Menschen ansteigen lassen.


"Länder mit niedrigen Einkommen sind besonders von der Nahrungsmittel- und Finanzkrise betroffen", erklärte Ousmane Badiane, der Leiter der Afrika-Abteilung des Washingtoner Forschunginstituts IFPRI, das den Welthunger-Index berechnet. "Wir appellieren daher an die internationale Gemeinschaft, ihre Versprechungen von den zahlreichen Gipfeltreffen wahrzumachen und die Hungerreduzierung ins Zentrum der Krisenbekämpfung zu stellen."

Bärbel Dieckmann, die im November als Oberbürgermeisterin Bonns aus dem Amt scheidet und sich dann nur noch ihrem Ehrenamt als Präsidentin der Welthungerhilfe widmen will, appellierte an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Themen Armutsbekämpfung und ländliche Entwicklung in den Mittelpunkt der Entwicklungszusammenarbeit zu stellen. "Entwicklungspolitik darf nicht die Fortsetzung staatlicher Interessenspolitik mit anderen Mitteln sein", sagte Dieckmann. "Deutschland hat trotz wachsender Probleme hierzulande eine globale Verantwortung."

THE STATE OF FOOD INSECURITY

food_insecurity_coverWie aus dem am Mittwoch in Rom veröffentlichten Hungerbericht "The State of Food Insecurity" der FAO und des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) hervorgeht, leiden in der Region Asien/Pazifik rund 642 Millionen Menschen unter Hunger, in Subsahara-Afrika 265 Millionen, in Lateinamerika und der Karibik 53 Millionen, im Nahen Osten und Nordafrika 42 Millionen und in entwickelten Ländern 15 Millionen.

Für dieses Jahr rechnen FAO und WFP mit insgesamt 1,02 Milliarden Hungernden. Wie die Autoren des Hungerberichts betonen, stieg die Zahl der unterernährten Menschen weltweit schon vor den gegenwärtigen Krisen an. In den 1980er und früheren 1990er Jahren seien Fortschritte bei der Bekämpfung des chronischen Hungers erzielt worden, heißt es in dem Report, vor allem aufgrund wachsender Investitionen in die Landwirtschaft nach der Ernährungskrise in den 1970er Jahren. Weil die Entwicklungshilfe für die Landwirtschaft in der Folgezeit vernachlässigt worden sei, sei die Zahl der Hungernden zwischen 1995 und 2006 in allen Regionen außer Lateinamerika wieder angestiegen.

Der Anstieg der Zahl der Hungernden sowohl in Zeiten niedriger Preise und wirtschaftlichen Wohlstandes als auch verstärkt in Zeiten hoher Preise und wirtschaftlichen Abschwungs zeigt laut FAO die Schwächen des globalen Welternährungssystems.

"Die Führer der Welt haben entschlossen auf die Finanz- und Wirtschaftskrise reagiert und innerhalb kurzer Zeit Milliarden Dollar mobilisiert. Dieses Handeln wird nun auch im Kampf gegen Hunger und Armut gebraucht", sagte der Generaldirektor der FAO, Jacques Diouf. "Die steigende Zahl der Hungernden darf nicht hingenommen werden. Wir haben die wirtschaftlichen und technischen Mittel um den Hunger zu besiegen, uns fehlt aber der politische Wille."

"Es ist unannehmbar dass im 21. Jahrhundert fast jeder sechste Mensch hungert", erklärte Josette Sheeran, die Exekutivdirektorin des WFP. "Zu einer Zeit, in der mehr Menschen hungern als je zuvor, gibt es so wenig Nahrungsmittelhilfe wie noch  nie. Wir wissen was nötig ist, um dem Hunger entgegen zu treten – wir brauchen aber Finanzmittel und internationale Entschlossenheit, um diese Aufgabe zu schaffen."

www.welhungerhilfe.de
www.ifpri.org
www.fao.org/hunger



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