iucn_redlistGenf (epo.de). - Die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten wird immer länger. Nach der am Dienstag von der Weltnaturschutzunion (IUCN) in Genf vorgelegten aktuellen Liste sind 17.291 von 47.677 untersuchten Arten akut gefährdet. Im Vergleich zum Vorjahr kamen rund 2.800 Arten hinzu. Demnach sind 70 Prozent der Pflanzen, 37 Prozent der Süßwasserfische, 28 Prozent der Reptilien und 21 Prozent der Säugetiere vom Aussterben bedroht.

Das für 2010 - das Internationale Jahr der Biodiversität - angestrebte Ziel, die Verringerung der Artenvielfalt zu stoppen, sei nicht zu erreichen, sagte Jane Smart, die Direktorin für Artenschutz bei der Weltnaturschutzunion. Nach Angaben der IUCN sind neben dem Verlust einzigartiger Lebensräume wie der Regenwälder der Erde vor allem der Klimawandel, der Raubbau an der Natur und die Übernutzung einzelner Arten für das Artensterben verantwortlich. Besonders betroffen seien Amphibien. Von den 6.285 erfassten Fröschen, Lurchen und Kröten wurden 1.895 in die höchsten Bedrohungskategorien eingestuft. 39 Arten gelten bereist als ausgestorben, darunter die Goldkröte. Sie gilt als eines der ersten Opfer des Klimawandels.

Die von der IUCN untersuchten Arten umfassen nur einen Bruchteil der weltweiten Artenvielfalt. Die Umweltstiftung WWF geht davon aus, dass es mehr als zehn Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde gibt. Deshalb sei auch die Zahl der gefährdeten Spezies noch viel größer. Viele Tiere werden bereits ausgestorben sein, bevor die Menschheit sie überhaupt zu Gesicht bekomme, befürchtet der WWF.

"Meist ist es nicht ein einzelner Grund, der das Aussterben einer Art besiegelt", sagte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Wenn das Verbreitungsgebiet ohnehin klein sei, etwa in entlegenen Berg- oder Inselregionen, könnten kleine Veränderungen oder eine Krankheit eine Tierart endgültig auslöschen. Bei den Fröschen ist es ein Pilz, der zahlreichen Populationen auf aller Welt zu schaffen macht. Er spielte auch beim Exodus der lebendgebärenden Kihansi Spray Kröte eine Rolle. Die Tiere waren in den Kihansi Wasserfällen in Tansania zuhause. Von den ursprünglich mindestens 17.000 Exemplaren saßen nach dem Bau eines Staudammes 90 Prozent auf dem Trockenen. Die übrig gebliebenen Individuen raffte die mysteriöse Pilzkrankheit dahin.

Die afrikanische Kröte ist kein Einzelfall. Der WWF geht davon aus, dass sich die Aussterberate durch menschliche Einflüsse mindesten um den Faktor tausend beschleunigt hat.

Am besten dokumentiert ist der Niedergang bei den Säugetieren. Ein Fünftel der rund 5.490 Arten ist gefährdet. Darunter ist auch der Tiger. Nur noch etwa 3.200 der Großkatzen leben in freier Wildbahn. Allein in den vergangenen zehn Jahren verlor der Tiger 40 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes. "Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, können künftige Generationen die Tiere nur noch im Zoo erleben", mahnte Volker Homes.

Auch die Lage der Eisbären ist dramatisch. Derzeit leben noch rund 20.000 bis 25.000 Exemplare in der Arktis. Aufgrund der Erderwärmung schwindet jedoch das Packeis, so dass sich die Bären aus ihren Jagdgebieten zurückziehen müssen. Insbesondere den Eisbärmüttern bleibt laut WWF oft nicht genug Zeit, um sich den nötigen Speck anzufressen, damit sie genug Milch für ihre neugeborenen Jungen produzieren können. Viele Eisbären verhungern bereits in ihrem ersten Lebensjahr.

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