Dürre in Kenia. Foto: WelthungerhilfeBarcelona (epo.de). - Die Geduld der afrikanischen Delegationen bei den UN-Klimaverhandlungen in Barcelona (2.-6. November) war am Dienstag zu Ende. Gar zu offenkundig war, dass die Industriestaaten zwar bereit waren, über technische Details eines UN-Klimaabkommens zu verhandeln, aber man bei der Frage der Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen keinen Schritt vorankam. Alfred Wills, der die südafrikanische Delegation leitet, sagte frustriert: "Wir bewegen und immer im Kreis herum und behandeln technische Fragen und nicht die zentralen Themen."

Die afrikanischen Delegationen entschlossen sich deshalb zu einem temporären Boykott der Sitzungen, bis die Industriestaaten bereit sein würden, sich auf ernsthafte Verhandlungen über Emissionsreduzierungen von 40 Prozent bis 2020 einzulassen. Solche Reduzierungen werden von internationalen Klimaforschern für dringend erforderlich angesehen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu vermeiden und unumkehrbare Schädigungen des globalen Klimasystems zu verhindern. Gambias Chefunterhändler Pa Ousman Janju betonte in Barcelona: "Wir sehen die Qualität der Ambitionen der entwickelten Länder als inakzeptabel an und können nicht auf der Grundlage von Reduzierungen von 20 bis 30 Prozent vorankommen."

Bei den Verhandlungen in Barcelona hatten die Industriestaaten zunächst ihre Positionen wiederholt. Die EU ist zu Reduzierungen von 20% bereit und – wenn es zu einer internationalen Vereinbarung kommt – dieses Angebot auf 30% zu erhöhen. Die US-Delegation will überhaupt keine Zusagen machen, bevor der Kongress abschließend über die von Präsident Obama vorgelegten Klimagesetze entschieden hat. Aber diese Gesetze bleiben weit hinter den erforderlichen Emissionsreduzierungen zurück, und es ist unklar, ob die Gesetze vor der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember verabschiedet werden. Norwegen hat sich als einziger Industriestaat zu Reduzierungen von 40% bereit erklärt, Japan zu 25%. Andere Industriestaaten haben entweder keine oder nur unzureichende Emissionsreduzierungen angekündigt.

Aus der Sicht der afrikanischen Delegationen und verschiedener anderer Delegationen des Südens haben die Industriestaaten sich bei den Klimaverhandlungen der letzten Monate wie bei einem Mikadospiel verhalten: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Die afrikanischen Delegationen sind aber überzeugt, dass es in Kopenhagen zu keinem Abkommen kommen wird, wenn die Blockadehaltung andauert. Sie werden in dieser Haltung dadurch bestärkt, dass auch UN-Klimachef Yvo de Boer und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in den letzten Tagen skeptisch dazu geäußert haben, ob es in Kopenhagen zu einem umfassenden Klimaabkommen mit festen Reduzierungszielen kommen kann.

Die afrikanischen Staaten warfen den Industriestaaten in Barcelona vor, dass sie für ein rasches Wirtschaftswachstum hohe klimaschädliche Emissionen in Kauf genommen hätten und die afrikanischen Staaten nun durch den Klimawandel die Folgen tragen müssten. Der afrikanische Kontinent ist nur für vier Prozent der globalen klimaschädlichen Emissionen verantwortlich, aber bereits heute durch lang anhaltende Dürren und unvorhersehbare extreme Niederschläge von den Auswirkungen der globalen Erwärmung betroffen. Dies wird sich nach allen wissenschaftlichen Prognosen in den nächsten Jahren dramatisch verstärken.

Zwar erklärten sich die afrikanischen Delegationen bereit, am Mittwoch wieder an den Sitzungen teilzunehmen, nachdem zugesagt wurde, mehr Verhandlungszeit auf die zentralen Themen eines Klimaabkommens zu verwenden. Sie kündigten aber bei einer unveränderten Haltung der Industriestaaten einen erneuten Boykott an. Kemal Djemouai, der algerische Vorsitzende der afrikanischen Gruppe, brachte die Stimmung so zum Ausdruck: "Menschen in Afrika leiden jetzt, Menschen sterben jetzt, während die entwickelten Länder nicht bereit sind (...) ambitionierte Ziele zu formulieren."

Frank Kürschner-Pelkmann

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