Erdbeben in Haiti. Foto: World VisionBerlin (epo.de). - In Haiti erreichen immer mehr Hilfsgüter die Hauptstadt Port-au-Prince und andere vom Erdbeben betroffene Städte. "Es kommt nach und nach mehr Struktur in das Chaos. Die so dringend benötigte Hilfe der internationalen Gemeinschaft kommt nun endlich zu den Menschen durch", erklärte Peter Mucke, Geschäftsführer des "Bündnisses Entwicklung Hilft", am Dienstag in Berlin. Die entwicklungspolitische Organisation ONE rief zu einem Schuldenerlass für den Karibikstaat auf.

Caritas international stockte die Hilfen für Haiti auf eine Million Euro auf. Das Hilfswerk der deutschen Caritas will damit vor allem Erdbebenopfern in der besonders stark zerstörten Region um Léogâne, 30 Kilometer westlich von Port-au-Prince, das Überleben sichern.

"Die Hilfe erreicht nur langsam das Umland der Hauptstadt. Wir dürfen die Menschen und ihre große Not dort nicht vergessen", warnte Caritas-Katastrophenhelfer Friedrich Kircher. In Port-au-Prince und dem Umland seien insgesamt 500 lokale und internationale Caritas-Mitarbeiter im Einsatz. Sie hätten bislang 20 Verteilzentren für Trinkwasser, Lebensmittel und Medizin aufgebaut.

Die Welthungerhilfe begann mit der Verteilung von Trinkwasser. An drei Standorten wurden am ersten Tag je 11.000 Liter Wasser verteilt. "Wir sind sehr erleichtert, dass das so gut angelaufen ist, die Verteilung verlief ruhig und geordnet", sagte Michael Kühn, Regionalkoordinator der Welthungerhilfe. Die Wasserverteilungen werden nun täglich fortgesetzt.

Brot für die Welt, Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas starteten am Dienstag einen Hilfsflug vom belgischen Ostende nach Port-au-Prince. An Bord waren acht Health-Kits, 20.000 Wasserkanister, 2.000 Decken, 31 Großraumzelte und Tabletten zur Wasserreinigung. Ein Health-Kit ist auf die medizinische Grundversorgung von 10.000 Menschen über drei Monate ausgerichtet. Darunter sind zum Beispiel Medikamente gegen Infektionen.

Auch World Vision verstärkt seine Hilfe und bringt weitere Güter ins Land. Dazu richtete die Organisation ein Zwischenlager im Grenzort Jimani in der Dominikanischen Republik ein. Von dort werden Wasserkanister, Zeltplanen, Decken, Medikamente, Hygieneartikel sowie Kochsets per Lastwagen nach Port-au-Prince transportiert.

Erdbeben in Haiti. Foto: World Vision
Foto: Erdbeben in Haiti © World Vision

Zusätzlich hat World Vision mit Air Serve International ein Kooperationsabkommen geschlossen und einen Shuttle Service zwischen Santo Domingo und Port-au-Prince eingerichtet. Die Maschinen können bis zu sechs Personen oder Cargo transportieren und verkehren zweimal täglich.

Aufgrund des akuten Mangels an medizinischem Personal will die Johanniter-Unfall-Hilfe am Mittwoch weitere Helfer nach Haiti entsenden. In dem 12-köpfigen Team befinden sich Ärzte, Rettungssanitäter, Logistiker und ein Notfallseelsorger. Im Gepäck haben die Helfer zwei "Emergency Health Kits" mit dringend benötigten Medikamenten, Verbandmaterial und einer Grundausstattung an chirurgischen Instrumenten. Damit können 20.000 Menschen drei Monate lang medizinisch versorgt werden.

NICHT NUR SPENDEN HELFEN

Die entwicklungspolitische Organisation ONE sammelt Unterschriften, mit denen der Internationale Währungsfonds (IWF), die Interamerikanische Entwicklungsbank und weitere Gläubiger überzeugt werden sollen, dem zerstörten Land seine Schulden in Höhe von 890 Millionen US-Dollar zu erlassen. Außerdem sollen die Geber jetzt geleistete Unterstützung als Zuschuss leisten – und nicht in Form teurer Kredite.

Der Großteil von Haitis Schulden stamme aus der Zeit des korrupten Duvalier-Regimes, welches dreißig Jahre lang gedankenlos Schulden gemacht und das Geld eigennützig ausgegeben habe, erklärte ONE. Die heutige Regierung habe bereits Schwierigkeiten gehabt, die verbliebenen Schulden zurückzuzahlen. Jeder könne Haiti beim Wiederaufbau nach der Erdbebenkatastrophe helfen, indem er mithelfe, es von seiner Schuldenlast zu befreien.

Die Organisation ONE, die unter anderem von den Rockstars Bono und Bob Geldof unterstützt wird, hat Erfahrung mit Aktionen wie diesen. Mehr als 48.000 Menschen unterstützten 2007 über das Internet einen Schuldenerlass für Liberia. (www.one.org).

Foto: Erdbeben in Haiti © World Vision

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