haiti_port_au_princeBonn (epo.de). - Anlässlich der Geberkonferenz für Haiti, die am Montag in Montreal stattfindet, haben Hilfsorganisationen neben der Weiterführung der Nothilfe eine Unterstützung beim langfristigen Wiederaufbau gefordert. Die Haitianer dürften aber nicht nur Statisten sein, sondern müssten in die Hilfeleistungen eingebunden werden, forderten Experten nichtstaatlicher Organisationen. Nur so könne die Hilfe langfristig erfolgreich sein.   

"Nur eine Kombination aus Katastrophen- und Entwicklungshilfe wird Haiti eine echte Perspektive geben", sagte Anton Markmiller, Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg in Bonn. "Weiterführung der Soforthilfe, perspektivischer Wiederaufbau und Hilfe zur Selbsthilfe sind die drei Eckpunkte, die das zerstörte Land jetzt benötigt. " Es sei nicht allein damit getan, die Menschen zu versorgen und deren Häuser wieder aufzubauen. Es gehe in der Perspektive darum, den Haitianern das sichere Gefühl zu vermitteln, dass sie am Ende des Wiederaufbaus selbst die Verantwortung haben werden.

CARE-Hauptgeschäftsführer Markmiller forderte darüber hinaus einen umfassenden Schuldenerlass für Haiti. Andernfalls werde sich das Land in sehr kurzer Zeit erneut in einer Spirale von Armut und Gewalt wiederfinden.

Oliver Müller, Leiter von Caritas international, mahnte: "Eine Lehre der Tsunami-Hilfe war, dass ein langfristig erfolgreicher Wiederaufbau nur gemeinsam mit den betroffenen Menschen gelingt. Die große Chance zum Neuanfang, die für das Land im Wiederaufbau liegt, müssen wir in enger Partnerschaft mit den Haitianern nutzen."

Die Hilfe, die derzeit beispielsweise vom US-Militär geleistet werde, sei in der jetzigen Phase der Nothilfe wichtig und richtig, dürfe aber nicht zur Dauerlösung werden, so Müller. Kirchengemeinden und zivilgesellschaftliche Organisationen müssten tragende Säulen des Wiederaufbaus werden, "damit es zu keiner zweiten Kolonialisierung Haitis kommt". Für jede deutsche Hilfsorganisation sollte der Aufbau von haitianischen Partnerorganisationen deshalb Priorität haben. "Denn das sind in dieser Stunde Null die Hoffnungsträger eines neuen Haiti."

Die haitianischen Partner, seien es kirchliche oder zivilgesellschaftliche Akteure, mit ihren guten Kenntnissen des regionalen Kontextes müssten in allen Phasen der Hilfe von der Koordination über die Planung bis hin zur Umsetzung so schnell und so eng wie möglich einbezogen werden, forderte Müller.

Über das Wochenende verteilte Caritas erneut Hilfsgüter wie Lebensmittel, Trinkwasser und Plastikplanen an mehrere Tausend Menschen. Die Verteilungen verliefen trotz der angespannten Lage ruhig und organisiert, berichtete die Caritas. In der besonders stark zerstörten Region Leogane sei zudem ein mobiles Gesundheitszentrum eingerichtet worden, in dem haitianische Caritas-Ärzte und der deutsche Arzt Joost Butenop Verletzte medizinisch versorgen. Ein großes Problem sei weiterhin die unzureichende Versorgung der Menschen mit Notunterkünften und Zelten.


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