tiger_wwfFrankfurt (epo.de). - Durch Wilderei, die Zerstörung ihres Lebensraumes und den Klimawandel sind Tiger immer stärker bedroht. Die rund 3.200 verbliebenen Großkatzen gerieten in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet unter Druck, heißt es in einer aktuellen Bedrohungsanalyse der Umweltschutzorganisation WWF anlässlich des am 14. Februar beginnenden chinesischen "Jahrs des Tigers". Mittlerweile lebten mehr Tiger in den USA bei Privatpersonen in Gefangenschaft als in freier Wildbahn.

"Die Situation für die letzten rund 3.200 Tiger in freier Wildbahn ist dramatisch. Hier steht eine der charismatischsten Tierarten der Erde am Abgrund und die Bedrohungen werden immer vielfältiger und akuter", warnte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland, am Mittwoch in Frankfurt. Wilderei, Lebensraumzerstörung und auch die Auswirkungen des Klimawandels seien die Hauptgefahren für das Überleben der Tierart.

So ist es zwar weltweit verboten Medizin mit Tiger-Bestandteilen herzustellen, doch der Hunger auf diese Produkte sei ungebrochen. Daher werde der Tiger weiterhin illegal geschossen, so der WWF. Aber auch Europas enormer Bedarf an Palmöl bringe die Großkatzen in Bedrängnis. Jedes Jahr importierten die europäischen Staaten nach Angaben der Umweltschützer rund 5,8 Millionen Tonnen für unzählige Produkte wie Eiscreme, Bio-Sprit oder Waschmittel. Auf Sumatra hätten daher innerhalb von nur 23 Jahren (1985-2008) über 12 Millionen Hektar Wildnis den Plantagen und Monokulturen weichen müssen. Das sei die Hälfte des gesamten Waldes von Sumatra. Für die letzten höchstens vierhundert Sumatra-Tiger werde es auf der Insel immer enger.

In Bangladesch bedrohe dagegen der Meeresspiegelanstieg, hervorgerufen durch die globale Erwärmung, die Tiger-Sümpfe an der Küste. Hier lebe eine der weltweit größten Populationen von Königs-Tigern, berichtete der WWF.

Ein weiteres Problem stellen laut WWF die weitgehend unkontrolliert in Gefangenschaft lebenden Tiere zum Beispiel in den USA dar. So gebe es in den Vereinigten Staaten mit 5.000 Exemplaren mehr Tiger, die von Privatpersonen gehalten würden, als heute in ganz Asien durch die freie Wildbahn streiften. "Es wird immer wieder beteuert, dass die Tiere nur zu Unterhaltungszwecken gehalten werden, doch Gesetzeslücken in den USA öffnen dem illegalen Handel Tür und Tor", warnte Volker Homes. Damit würden die amerikanischen Tiger zu einer Bedrohung für ihre wilden Artgenossen.

Noch kritischer sieht der WWF Chinas Tiger-Farmen. Sie würden offiziell als Unterhaltungs-Einrichtungen oder Zuchtstationen betrieben, doch es sei klar, dass sie zum Erhalt der Tiger in der Wildnis nichts beitragen. Auch seien einige der Farmer Teil einer einflussreichen Lobby, die in China eine Aufhebung des nationalen Handelsverbots für Zuchttiger herbeiführen wolle. Damit könnten sie tote Farm-Tiger für die Herstellung ostasiatischer Medizinprodukte verkaufen. Der WWF befürchtet, dass es dadurch zu einem weiteren Anstieg der Wilderei auf Wildtiger kommen könnte.

"Untersuchungen und Befragungen haben gezeigt, dass viele Käufer von Tiger-Produkten jene bevorzugen, die aus wildlebenden Tieren hergestellt wurden. Farm-Tiger sind in deren Wahrnehmung minderwertige Ware", warnte Volker Homes.  

Foto © WWF
www.wwf.de

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