belugawal_wwfMünchen (epo.de). - Mit einer Rekordanzahl von Anträgen, überfischte Meerestiere unter Schutz zu stellen, muss sich die Artenschutzkonferenz vom 13. bis 25. März in Doha (Katar) befassen. Artenschützer erwarten ein regelrechtes Tauziehen um kommerziell genutzte marine Arten. Für den Roten Thun ist ein internationales Handelsverbot beantragt. Acht Hai- und 31 Korallenarten dürfen nur noch kontrolliert genutzt werden, falls die Arten in den so genannten Anhang II gelistet werden.

"Nie zuvor gab es so viele Anträge, Meerestiere weltweit unter Schutz zu stellen", erklärte Pro Wildlife-Sprecherin Daniela Freyer, die an der Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) teilnehmen wird. "Wir erwarten, dass nur der Streit um Elfenbein die Gemüter ähnlich erhitzen wird: Erneut wollen zwei afrikanische Länder in den Handel mit Elfenbein einsteigen." Auch Schutzanträge für Eisbären und Dutzende weitere Arten stehen auf der Tagesordnung.

Die Europäische Kommission empfahl, den internationalen Handel mit Rotem Thunfisch im Rahmen des CITES-Abkommens zu verbieten. Die EU will auf der Konferenz einheitlich abstimmen und ist mit ihren 27 Staaten der einflussreichste Stimmenblock.

Beim Elfenbein trat bereits 1989 ein absolutes Handelsverbot in Kraft. Doch seit 1997 wurde dieses Verbot immer wieder gelockert. Zuletzt durften Südafrika, Namibia, Botsuana und Simbabwe mit Zustimmung der EU 2008 ihre staatlichen Elfenbeinlagerbestände nach China und Japan verkaufen. Elfenbeinschmuggel und Wilderei seien seither deutlich angestiegen, berichtete Pro Wildlife. Derzeit würden mehr als 30.000 Afrikanische Elefanten jährlich gewildert. Trotzdem wollten nun auch Tansania und Sambia den internationalen Schutz ihrer Elefantenbestände lockern.

Die USA haben ein internationales Handelsverbot für Eisbären beantragt. Obwohl Wissenschaftler voraussagen, dass bis 2050 durch das Abschmelzen des Packeises 71 Prozent des derzeitigen Bestands verschwinden wird, ist der internationale Handel mit Fellen und Jagdtrophäen bisher legal. Allein in Kanada werden nach Angaben von Pro Wildlife jährlich 500 bis 600 Eisbären legal getötet. Auch Grönland genehmige den Abschuss von 130 Eisbären pro Jahr, habe den Export aber nach massiver Kritik seit 2008 ausgesetzt, so Pro Wildlife. Hauptabnehmer sind Pelzhändler in Japan sowie europäische Großwildjäger, darunter auch Deutsche, die 40.000 Euro für den Abschuss eines Eisbären bezahlen. "Die Eisbären sind durch den Klimawandel akut gefährdet. Jedes zusätzlich abgeschossene Tier bedeutet einen unverantwortlichen Blutzoll", sagte Freyer.

AUSVERKAUF DER MEERE STOPPEN

"Handelsbeschränkungen für kommerziell genutzte Fischarten haben bislang Seltenheitswert", kritisierte Pro Wildlife. Die wirtschaftlichen Interessen und der Einfluss der Fischereilobby seien bislang zu stark gewesen. Doch angesichts überfischter Bestände hätten die 175 CITES-Vertragsstaaten jetzt über sechs Anträge zum Schutz von etwa 40 marinen Arten zu entscheiden", erklärte Freyer.

Für den Roten Thun, der vor allem in Japans Sushi-Restaurants begehrt ist und auf Fischauktionen Rekordpreise von über 100.000 Euro pro Tier erzielt, hat Monaco ein absolutes Handelsverbot gefordert. Sowohl Japan als Hauptabsatzmarkt als auch einige EU-Mittelmeerländer leisteten aber erbitterten Widerstand, so Pro Wildlife.

Zudem sollen acht Haiarten in Anhang II des Artenschutzabkommens aufgenommen werden. Dies würde bedeuten, dass der Handel mit ihnen weltweit erfasst und auf ein nachhaltiges Maß beschränkt werden muss. Den Schutzantrag für den hierzulande als 'Schillerlocke' begehrten Dornhai sowie für den Heringshai hat Deutschland für die EU vorbereitet. Die USA und Palau werben für den Schutz diverser Hammerhaie und des Weißspitzenhochseehais. Viele der zur Diskussion stehenden Haiarten sind durch die immense Nachfrage für Haifischflossensuppe in Fernost bedroht. Für Handelsbeschränkungen für 31 Korallenarten, darunter die Rote Edelkoralle, setzen sich die USA und die EU gemeinsam ein.

Während Elefant, Thunfisch und Eisbär bereits jetzt die Diskussion dominieren, liegen auch für andere, weniger beachtete Arten Schutzanträge vor. Sechs Anträge gelten Arten, die im internationalen Heimtierhandel begehrt sind, darunter Rotaugenlaubfrösche, Zagrosmolch, Schwarzleguane, Bunte Dornschwanzagame und Riesenkäfer. „Wir hoffen, dass die WA-Vertragsstaaten sich im aktuellen Jahr der Biologischen Vielfalt klar zum Artenschutz bekennen und ihn nicht kommerziellen Interessen opfern, wie wir es in der Vergangenheit oft beobachten mussten“, so Freyer.

www.cites.org
www.prowildlife.de

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