gfbvGöttingen (epo.de). - In der afrikanischen Sahelzone droht mehr als zehn Millionen Viehzüchtern und Bauern wegen ausbleibender Regenfälle eine Hungerkatastrophe. In Niger seien 7,8 Millionen Menschen, im Tschad zwei Millionen und im Nordosten Malis 500.000 Tuareg und andere Nomaden betroffen, warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch in Göttingen.

Der Höhepunkt der Hungerkatastrophe werde im Juni erwartet, berichtete die GfbV. Vor einem Krisengipfel der Präsidenten der Sahelstaaten am Donnerstag in N'Djamena (Tschad) hätten Repräsentanten des Viehzüchter-Netzwerkes Billital Maroobé aus der Sahelzone einen dramatischen Hilfsappell an die Staatschefs gerichtet. "Wir schaffen es nicht mehr, unsere Herden zu ernähren, daher müssen wir die Tiere nun zu Spottpreisen verkaufen", erklärten sie in einem Offenen Brief an die Staatspräsidenten.

"Die Viehzüchter brauchen nicht nur Nahrungsmittelhilfe, sondern langfristige Unterstützung bei der Erhaltung ihrer Herden", sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Vom Hunger bedroht seien Tuareg, Peulh, Toubou, Bella und andere ethnische Gruppen, die seit Jahrhunderten in der Sahelzone leben.

"Trotz der widrigen geographischen Bedingungen haben es diese Völker gelernt, sich klimatischen Veränderungen und anderen Herausforderungen anzupassen. Doch mit dieser Krise sind sie überfordert", warnte Delius. "Wenn die Halbnomaden und Bauern nicht genug ernten, müssen sie ihr Vieh verkaufen, um Nahrungsmittel erwerben zu können. Wenn das Vieh massenhaft geschlachtet wird oder wegen mangelnder Weidegründe stirbt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch die Menschen sterben. Denn die Viehherden sind für viele Bewohner der Sahelzone Supermarkt und auch Sparschwein."

Die großen Herden von Ziegen, Schafen, Rindern und Kamelen liefern Milch, Butter, Käse und Fleisch. Rund 50 Millionen Nomaden und bis zu 200 Millionen Halbnomaden leben in den Trockengebieten Nordwest- und Ostafrikas von der Viehzucht.

Auch im Norden Burkina Fasos und Nigerias ist die Versorgungslage aufgrund ausbleibender Regenfälle und geringer Ernten nach Angaben der GfbV sehr angespannt. Zuletzt waren 2005 bei einer Dürre hunderttausende Herdentiere in Niger und Mali verendet. Damals waren rund drei Millionen Nomaden vor allem im Norden beider Staaten von der Katastrophe betroffen.

"Unter der nun drohenden Hungersnot leiden sowohl Bauern als auch Nomaden", berichtete Delius. Zuerst klagten die Bauern im Süden des Landes über 30 Prozent Ernteausfall. Viele Landwirte suchten daraufhin in anderen Regionen oder Nachbarländern Arbeit, um zu überleben. Doch inzwischen mache sich auch unter den im Norden Nigers und Malis lebenden Nomaden die Krise stark bemerkbar.

www.gfbv.de

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