care_neuBonn (epo.de). - Zehn führende Hilfsorganisationen haben am Donnerstag eine deutlich stärkere humanitäre Unterstützung für die schwer von der Nahrungsmittelkrise betroffenen Bewohner der Sahelzone gefordert. Rund zehn Millionen Menschen droht eine Hungersnot. Neben CARE beteiligen sich unter anderem Save the Children, ACF und Tearfund an dem Appell.

Im Zentrum der Krise steht CARE zufolge der Niger, wo sieben Millionen Menschen, nahezu die Hälfte der Bevölkerung, nicht ausreichend zu essen haben. Weitere zwei Millionen Menschen im Tschad, und Hunderttausende in Mali, Mauretanien, in Teilen von Burkina Faso und im äußersten Norden von Nigeria leiden an Hunger. Jüngste Auswertungen zeigen, dass im Niger 17 Prozent der Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt sind. Diese Zahl ist mehr als ein Drittel höher als im vergangenen Jahr.

Die Organisationen fordern ein politisches Engagement auf höchster Ebene, damit umgehend mehr finanzielle Mittel zur Linderung der größten Not bereitgestellt werden.  Insbesondere fordern die Organisationen die Vereinten Nationen (UN) auf, einen Beauftragten für die Krise zu ernennen, damit die Hilfsmaßnahmen aller beteiligten Länder beschleunigt werden. Zusätzlich solle mit den Regierungen der betroffenen Länder und der Geberstaaten verhandelt werden.

Obwohl seit sechs Monaten gewarnt wird, sind die bereitgestellten finanziellen Mittel bis jetzt nur dürftig und liegen knapp 107 Millionen US-Dollar hinter dem Ziel der UN. Die Hilfsorganisationen fordern daher die Industrienationen auf, ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Verzögerungen bei der Finanzierung hätten dazu geführt, dass Nahrungsmittel erst spät gekauft und in den betroffenen Gebieten verteilt werden konnten. Im Niger beispielsweise starteten die Nahrungsmittelverteilungen des Welternährungsprogramms (WFP) zu spät und weniger Menschen erhielten dadurch Hilfe, so CARE.

"Wir fanden eine Gruppe von fast 200 Familien in der Mitte der Wüste. Sie saßen fest, waren von ihrer sterbenden Rinderherde umgeben, und hatten nur noch Nahrungsmittel für weniger als drei Wochen", sagte Stéphane Petitprez, Nothilfekoordinator von CARE im Niger. "Eine andere Familie hatte einen Konvoi mit fünf Kamelen auf einem Dreitagesmarsch zum Markt geschickt, um Hilfe zu holen. Sie schafften es nicht. Die Kamele starben auf dem Rückweg." Petiprez weiter: "Die Tiere sterben, und damit stirbt auch die Zukunft dieser Familien. Wir haben gewarnt, dass dies passieren würde. Die internationale Gemeinschaft muss jetzt handeln, damit die Situation sich nicht noch weiter verschärft."

Dürre, Missernten, Schädlingsbefall, steigende Nahrungsmittelpreise und die chronische Armut in der Region haben nach Angaben der NGOs dazu geführt, dass Nahrungsmittel knapp werden und das Weideland austrocknet. Die Menschen müssten ihre Heimat und ihre hungernden Tiere zurücklassen und ihre Habseligkeiten aufgeben. "Solche verzweifelten Maßnahmen zeigen nicht nur das Ausmaß der Krise, sondern untergraben auch die Bemühungen um langfristige Entwicklung", warnen die Hilfsorganisationen.

Der Niger, das ärmste Land der Welt, ist mit mehr als 7,1 Millionen Hilfsbedürftigen am schwersten betroffen. Fast eine halbe Millionen Kinder unter fünf Jahren seien akut mangelernährt, berichtet CARE. Ihnen drohten irreversible Gesundheitsschäden oder der Tod, wenn sie nicht schnell behandelt werden. Die Getreideernte sei um 30 Prozent gesunken, und das verfügbare Weideland, das besonders für die Viehzucht wichtig ist, liege zu 60 Prozent unter den Bedürfnissen.

Im Tschad, einem Land, das zusätzlich von einem lang andauerndem Konflikt betroffen ist, leiden laut CARE rund zwei Millionen Menschen unter der Nahrungsmittelknappheit. Es gebe Berichte von Frauen, die Samen von Ameisenhaufen essen. In einigen Gegenden seien 27 Prozent der Bevölkerung mangelernährt. Zudem seien Hunderttausende in Mali, Burkina Faso und im nördlichen Nigeria von der Krise betroffen.

www.care.de

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