gfbvGöttingen (epo.de). - Mehr als 3.000 Massai sind in den vergangenen Jahren aus dem Loliondo-Wildpark in Tansania vertrieben worden. Sie sind einem arabischen Unternehmen im Weg, das dort Großwildjagden veranstaltet. Nach einem Hilferuf aus Tansania hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Tourismus-Ministerin des ostafrikanischen Landes am Freitag aufgefordert, die Vertreibungen zu stoppen und die Massai auf ihr Land zurück zu lassen.

"Bitte verlängern Sie die gerade ausgelaufene Jagdlizenz für Großwildjagden nicht", appellierte die Menschenrechtsorganisation an Tourismus-Ministerin Shamsa Mwangunga. Das arabische Unternehmen Ortello Business Corporation (OBC), das Jagden auf Großwild organisiere, habe in den vergangenen Jahren mehr als 3.000 Massai gewaltsam aus dem Wildpark vertreiben und rund 200 ihrer Behausungen niederbrennen lassen, um ihre Rückkehr zu verhindern, so die GfbV.

"Doch ihre Vertreibung wollen die Halbnomaden nicht tatenlos hinnehmen", berichtete GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. "Sie haben ein breites Bündnis von Nichtregierungsorganisationen in Tansania hinter sich, das sich für ihre Rückkehr in den Wildpark einsetzt."

Im April 2010 hatten etwa 3.000 Massai-Frauen die Initiative ergriffen und für eine Rückkehr der Vertriebenen nach Loliondo demonstriert. Viele Frauen waren damals tagelang aus ihren Lagern und Dörfern in die Provinzhauptstadt Ngorongoro gelaufen, um an dem Protest teilzunehmen. Die Behörden reagierten laut GfbV mit Verfolgung: Mehrere Dutzend Frauen seien verhaftet und Hunderte gewaltsam mit Lastwagen abtransportiert worden, um weitere Demonstrationen zu verhindern. Die Aktion der Frauen hatte in ganz Tansania Aufsehen erregt. So entstand ein breites Bündnis von Unterstützerorganisationen, dem neben Massai-Aktivisten Bürgerrechtler, Umweltschützer, kirchliche Organisationen aller Konfessionen, Frauenverbände, Journalisten und Juristen angehören.

Das Bündnis will durchsetzen, dass die ausgelaufene Jagdkonzession für OBC nicht verlängert wird. Das Unternehmen, das der Familie des Scheichs der Vereinigten Arabischen Emirate gehört, pachtete das Land in Loliondo für Großwildjagden schon 1992. Für Tansanias Regierung ist der Jagdtourismus ein einträgliches Geschäft, das jedes Jahr Millionen in die Kassen des Staates bringt.

Das Nachsehen haben die von der Ziegen- und Rinderzucht lebenden Massai. Die in Loliondo lebenden Massai stammen nach Angaben der GfbV ursprünglich aus der Serengeti. Als dort 1951 der berühmte Nationalpark gegründet wurde, wurden sie nach Loliondo vertrieben. Nun wurden sie auch dort ausgesiedelt und wissen nicht, wo sie neues Weideland für ihre 50.000 Ziegen und Rinder finden sollen.

www.gfbv.de

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