gfbvGöttingen (epo.de). - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat die kenianische Regierung dringend dazu aufgefordert, ihre Verpflichtungen aus der Genfer Flüchtlingskonvention zu erfüllen und Kriegsflüchtlingen aus Somalia Zuflucht zu gewähren. Vor allem aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu reiße der Flüchtlingsstrom nicht ab, berichtete die GfbV am Montag in Göttingen. Seit Ende August mussten dort 51.000 Menschen ihre Wohnungen aufgeben und fliehen.

Als die Stadt Beled Hawo in der vergangenen Woche in die Hände der Milizionäre fiel, flohen die meisten der 60.000 Bewohner in angrenzende Dörfer oder in das Nachbarland Kenia. Rund 7.100 Somaliern wird die Einreise nach Kenia verweigert. "Mit großer Sorge verfolgen wir das Schicksal dieser Flüchtlinge, die seit Mitte letzter Woche zwar auf kenianischem Boden, doch nur 500 Meter von der Grenze entfernt festsitzen. Es sind vor allem Frauen, Kinder und ältere Menschen", sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. "Die Flüchtlinge müssen in ständiger Angst vor Angriffen der sie verfolgenden somalischen Al Shabaab-Milizen im Freien übernachten."

Das Hochkommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) will die Flüchtlinge elf Kilometer ins Landesinnere Kenias verlegen, doch die Behörden Kenias lehnen dies ab, da dort bereits zu viele somalische Flüchtlinge lebten. Außerdem befürchtet der Provinzgouverneur, dass sich mit den Flüchtlingen auch Terroristen nach Kenia einschleusen könnten, um dort Anschläge zu verüben.

Rund 280.000 Flüchtlinge aus Somalia haben bislang in Kenia Zuflucht gesucht, und jeden Monat kommen durchschnittlich rund 4.000 dazu, berichtete die GfbV. Immer neue Kämpfe zwischen radikal-islamischen Milizen und der regulären Armee der Übergangsregierung, aber auch Granatenbeschuss durch die AMISOM- Friedenstruppen der Afrikanischen Union schürten den Exodus der Somalier. So seien in der vergangenen Woche durch AMISOM-Beschuss 15 Zivilisten gestorben, weitere 70 seien verletzt worden. Mehr als 6.100 Kriegsverletzte seien seit Januar 2010 in drei Krankenhäuser der Hauptstadt eingeliefert worden.

"Die humanitäre Lage der Zivilbevölkerung in Somalia wird immer schlimmer", sagte Delius. "Doch während die Cholera-Toten in Haiti weltweit Schlagzeilen machen, wurden unbeachtet von der Weltöffentlichkeit seit Januar 2010 allein in einem Krankenhaus von Mogadischu 3.166 Cholerakranke aufgenommen, von denen 89 verstarben."

www.gfbv.de

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