shadow_dac_2010Berlin (epo.de). - Die Welthungerhilfe und terre des hommes haben den "Milliarden-Absturz" der deutschen Entwicklungshilfe kritisiert. Die öffentliche Entwicklungshilfe (ODA) Deutschlands sei im Jahr 2009 um mehr als eine Milliarde Euro gesunken, heißt es im 18. Bericht zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe, den die beiden Organisationen am Montag in Berlin vorstellten. Mit 8,6 Milliarden Euro sei sie 2009 rund zwölf Prozent niedriger gewesen als im Vorjahr (9,7 Milliarden Euro). Der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen sei von 0,38 auf 0,35 Prozent gesunken - den niedrigsten Wert seit 2004.

Deutschland hat sich dazu verpflichtet, bis 2015 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe auszugeben. Für das Jahr 2010 sah der Plan 0,51 Prozent vor. Dieses Ziel wird klar verfehlt. "Der Stufenplan ist nicht nur eine internationale Verpflichtung, er ist auch ein Gradmesser für die internationale Solidarität Deutschlands", sagte Wolfgang Jamann, Generalsekretär der Welthungerhilfe. "Im Moment scheinen nationale Interessen absolute Priorität zu haben."

Kritisch sehen die Hilfswerke in diesem Zusammenhang auch den Strategiewechsel hin zu einer engeren Anbindung der Wirtschaft an die Entwicklungspolitik. Unter Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) seien die Mittel für "Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft" 2010 um 25 Prozent auf 60 Millionen Euro erhöht und eine neue Servicestelle für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft eingerichtet worden.

Der Schwerpunkt der Kooperationsvorhaben liegt dem Bericht zufolge in Asien, nur ein Viertel entfällt auf Afrika. Die Mittel konzentrieren sich auf die Bereiche der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung und der Investitionsförderung. "Die Finanzierung von Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft birgt die Gefahr, dass dieses Geld zur Armutsbekämpfung und zur Stärkung öffentlicher Bildungs- und Gesundheitssysteme in den armen Ländern fehlt", erklärte Danuta Sacher, Geschäftsführerin von terre des hommes. "Es wäre deshalb fatal, wenn die Regierungskoalition die deutsche Entwicklungspolitik den Anliegen und Wünschen der deutschen Wirtschaft anpassen würde. Verlierer wären die Menschen in den Ländern und Sektoren, die für deutsche Unternehmen nicht profitabel sind, also Arme in ländlichen Gebieten und Kinder".

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Grafik: Bericht "Die Wirklichkeit der Entwicklungshilfe" nach OECD

Der Bericht "Die Wirklichkeit der Entwicklungshilfe" ist als Schattenbericht zu den offiziellen Zahlen des Entwicklungsausschusses (Development Assistance Committee/DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) konzipiert. Er untersucht Quantität und Qualität der deutschen und internationalen Entwicklungshilfe.

"Der diesjährige Bericht zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe ist ein wertvoller Beitrag zur Diskussion über das Verhältnis von Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaftsförderung", kommentierte Thilo Hoppe, Entwicklungspolitiker in der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. "Primat der Entwicklungspolitik muss weiter die Armutsbekämpfung und die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele sein, nicht die Exportinteressen der deutschen Industrie."

www.welthungerhilfe.de
www.tdh.de

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