WFPGleneagles (epo). - Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Programme, WFP) hat die in Gleneagles versammelten Staats- und Regierungschefs der acht reichsten Industrienationen (G8) daran erinnert, dass Hunger weltweit die häufigste unnatürliche Todesursache ist und mehr Menschen als AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen genommen tötet. Zwar gebe es bescheidene Fortschritte, so das WFP, aber die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt wachse immer weiter. So wie die Dinge heute stünden, werde das UN Millenniums-Entwicklungsziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, nicht erreicht werden können.

Auch der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo wies auf die Wichtigkeit von Nahrungsmittelhilfe hin. "Es gibt ein Sprichwort in meiner Heimat: Wenn Du der Armut den Hunger nimmst, hast du die Armut schon halbiert", sagte er. "Deshalb ist es so wichtig, dass wir diesem Ziel absoluten Vorrang geben." Obasanjo, der am G8 Gipfel als Vorsitzender von NEPAD (New Partnership for Africa's Development) teilnimmt, rief zu stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen den Hunger auf. "Nahrung heißt Leben. Ohne Nahrung bedeuten Freihandel, Schuldenerlass und Armutsbekämpfung gar nichts für Millionen von Afrikanern, die ihren Acker bestellen und ihre Ziegen hüten".

Seit den frühen 90er Jahren ist die Zahl der hungernden Menschen nach Angaben des WFP um 60 Millionen gestiegen und liegt heute bei 852 Millionen. "Und nur selten machen diese Menschen Schlagzeilen  - sie hungern weit ab von Fernsehkameras, die über große humanitäre Krisen  berichten. Nirgendwo sieht man das so deutlich wie in Afrika, wo Millionen unter vergessenen Konflikten und Desastern leiden und jeder dritte Afrikaner unterernährt ist. Im letzten Jahrzehnt hat es nur wenig Fortschritte gegeben", so das WFP.

In Afrika müssten das WFP und seine Partner in diesem Jahr 26 Millionen Menschen in mehr als 20 Ländern humanitäre Hilfe leisten, erklärte die Organisation. Im südlichen Sudan, wo die Menschen nach zwei Jahrzehnten Krieg endlich in ihre Heimatdörfer zurückkehren, habe das WFP weniger als die Hälfte der Gelder bekommen, die es benötige (124 Millionen US-Dollar).

Im südlichen Afrika, wo HIV/AIDS, Dürre und mangelnde Regierungsführung das Leben von mindestens acht Millionen Menschen bedrohten, habe das WFP noch nicht einmal 20 Prozent der benötigten Finanzmittel erhalten (67 Millionen US-Dollar). In Niger und Mali seien Hunderttausende nach Dürre und Heuschreckenplagen vom Hunger bedroht. Das WFP habe für seine Operationen weniger als ein Drittel der benötigten elf Millionen US-Dollar bekommen.

"Zwar gibt es gute Signale über mehr Hilfszahlungen von den Geberländern, aber die für Afrika so absolut wichtige Nahrungsmittelhilfe kommt bisher viel zu kurz", klagte das WFP. Nahrungsmittelhilfe sei die "Erste Hilfe" für Afrikas Probleme. Sie stabilisiere die Lage in vielen Regionen und ermögliche, dass an längerfristigen humanitären und politischen Lösungen gearbeitet werden kann.

Das WFP ist die größte humanitäre Organisation der Welt und versorgt jedes Jahr rund 90 Millionen Menschen in 80 Ländern. Im Zusammenhang mit dem G8 Gipfel in Gleneagles waren von Politikern und Wissenschaftlern wiederholt Bedenken gegen die von der britischen Regierung und Hilfsorganisationen geforderte Verdoppelung der Entwicklungshilfe der Industrieländer geäußert worden. Die Hilfe mache abhängig und versickere in den dunklen Kanälen der Korruption, lauteten die Argumente. Dem WFP wurde vorgeworfen, zu umständlich und bürokratisch zu agieren.

? Welternährungsprogramm (WFP)


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