icrcGenf. - Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) will seine Mikrokredit-Initiative im Irak nach einer Versuchsperiode ausweiten. Das gab das IKRK am Montag in Genf bekannt. Die Initiative ermöglichte es bislang zahlreichen benachteiligten Irakern, eine Existenz zu gründen und dringend benötigtes Einkommen zu erwirtschaften.

Millionen Männer und Frauen im Irak, so das IKRK, kämpfen infolge des jahrzehntelangen Konflikts, anhaltender Gewalt und hoher Arbeitslosigkeit um ihr Überleben und den Lebensunterhalt ihrer Familien. Basisdienste wie Gesundheits-, Trinkwasser- und Sanitärversorgung seien ausserhalb grosser Bevölkerungszentren weitgehend unerreichbar. An vielen Orten seien kaum Finanzmittel und Dienste verfügbar, um Notleidenden zu helfen.

"Vertriebene, Arbeitslose oder Behinderte haben es besonders schwer, sich durchzubringen, während Betagte und Haushaltsvorsteherinnen ebenfalls zu den am stärksten Betroffenen gehören", sagte Dusan Vukotic, Leiter eines vom IKRK betriebenen mikroökonomischen Kreditprogramms. "Trotz einiger Verbesserungen in vielen Teilen des Irak und der Bemühungen der Behörden, die Basisdienste zu verstärken, kämpfen Benachteiligte um den Lebensunterhalt ihrer Familien und sind zum Teil noch immer auf externe Hilfe angewiesen. Kleine einkommensschaffende Aktivitäten wie das Führen eines Ladens oder die Tätigkeit als Friseur, die durch Mikrokredite ermöglicht werden, können ihre Not lindern und ihnen Hoffnung zurückgeben."

Schätzungsweise eine Million Frauen tragen die Last des Lebensunterhalts ihrer Familien nach Angaben des IKRK allein, weil ihre Ehemänner getötet oder inhaftiert wurden oder vermisst werden. Zudem wurden Tausende Männer und Frauen im ganzen Land durch Kriegsverwundungen körperlich behindert. "Invalide finden nur schwer eine Arbeit, nicht nur wegen ihrer körperlichen Beeinträchtigung, sondern auch wegen des gesellschaftlichen Stigmas", sagte Dusan Vukotic. "Frauen haben weniger Beschäftigungsmöglichkeiten als Männer."

Im Bestreben, notleidenden Irakern zu helfen, wieder Fuss zu fassen und Wege zu finden, für sich selbst und ihre Familien zu sorgen, lancierte das IKRK im Jahre 2008 seine Mikrokredit-Initiative. Das Programm vergab bisher 800 Kredite, die es nahezu 5 000 Personen in Bagdad, Ninewa, Kirkuk, Diyala, Basra-Missan, Erbil, Dohuk und Sulaimaniyya ermöglichten, eine Existenz zu gründen. "Dies half nicht nur Benachteiligten, dringend benötigtes Einkommen zu verdienen, sondern trug auch dazu bei, ihre Würde wiederherzustellen und ihre Chancen auf ein besseres Leben zu erhöhen", betonte Dusan Vukotic.

Hassan Majid Rasoul, ein Straßenhändler, der einen Kleinkredit erhielt, um ein Motorrad zu kaufen, erzählte glücklich seine Geschichte: "Seit ich dieses Motorrad habe, hat sich meine finanzielle Lage verbessert. Ich verdiene pro Woche 40.000 bis 50.000 irakische Dinar (rund 42 US-Dollar). Das Geld reicht für meine Familie aus", sagte er. "Ich kann jetzt wegfahren und selbst Sachen verkaufen, nicht wie vorher, als ich nur mit meinen Kindern zusammensitzen konnte. Ich kann Hühner verkaufen und danach mit meinen Grosskindern aus reiner Freude einen Ausflug mit dem Motorrad unternehmen."

Das IKRK will die Ausweitung des Kreditprogramms im Jahre 2011 vornehmen, damit dieses noch mehr Menschen zugute kommt, insbesondere in den am stärksten von Gewalt betroffenen Gebieten.

www.icrc.org

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