aerzte_ohne_grenzenBerlin. - In der Elfenbeinküste wird die Zivilbevölkerung immer mehr zum Opfer des Konflikts. In der Hauptstadt Abidjan und im Westen des Landes seien erneut Menschen durch die anhaltenden Kämpfe vertrieben worden, berichtete die humanitäre Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Berlin. Die unsichere Lage und der Mangel an Medikamenten infolge internationaler Sanktionen erschwerten es Opfern der Gewalt und auch allen anderen Menschen in Not, Unterstützung zu bekommen.

Nur ein einziges Krankenhaus in Abobo bei Abidjan, wo etwa zwei Millionen Menschen leben, funktioniere noch normal, so Ärzte ohne Grenzen. Die Gewalt in der Gegend habe die meisten Angestellten in den anderen beiden Distrikt-Krankenhäusern zur Flucht gezwungen. Seit Ende Februar bietet Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium medizinische Nothilfe im Krankenhaus Abobo Süd an.

"Innerhalb von zwei Wochen haben wir 129 Menschen in der Notaufnahme behandelt, darunter 81 Patienten mit Verletzungen durch Schusswaffen und Messer. 31 schwere Fälle mussten wir operieren", sagte Mego Terzian, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen. Das Team habe die Anzahl der Betten von zwölf auf 20 erhöht, um Raum für die steigende Zahl an Patienten zu schaffen.

"Die Menschen haben Angst, ihre Häuser zu verlassen und Hilfe im Krankenhaus zu suchen. Es ist gefährlich, in der Hauptstadt unterwegs zu sein, da es immer wieder Gewaltausbrüche und Straßenblockaden durch junge Männer mit Knüppeln und Macheten gibt", berichtete Ärzte ohne Grenzen. Die unsichere Lage habe gleichzeitig zur Flucht vieler Bewohner geführt. In den vergangenen Wochen hätten Vertriebene aus Abidjan Zuflucht in rund 20 Lagern gesucht. Die medizinische Situation in diesen Lagern sei ungewiss.

Die Auseinandersetzungen lösten auch im Westen des Landes große Fluchtbewegungen aus. Mehr als 82.000 Menschen haben Ärzte ohne Grenzen zufolge im benachbarten Liberia Zuflucht gesucht, 45.000 allein in den vergangenen drei Wochen. Seit Dezember arbeiten Teams von Ärzte ohne Grenzen in Liberia und im Westen der Elfenbeinküste. Sie bieten eine Basisversorgung in Gesundheitseinrichtungen an, die von den Mitarbeitern verlassen worden sind und in denen Medikamente fehlen. Das Wiederaufflammen der Kämpfe in den vergangenen Tagen habe die Situation für die Bevölkerung weiter verschlechtert.

"In einer Situation, in der der Zugang der Menschen zu Behandlung so schwierig ist und viele Menschen auf der Flucht sind, muss es für unsere Teams möglich sein, die Bevölkerung zu erreichen. Das ist auch wichtig, um mögliche Krankheitsausbrüche zu erkennen und rechtzeitig eingreifen zu können", sagte der Koordinator des Noteinsatzes von Ärzte ohne Grenzen, Renzo Fricke.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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