aerzte_ohne_grenzenBerlin. - In der Elfenbeinküste haben sich die Kämpfe zwischen Anhängern des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara seines Rivalen Laurent Gbagbo am Freitag zugespitzt. In der Wirtschaftsmetropole Abidjan konzentrierten sich die Auseinandersetzungen auf den Präsidentenpalast. Im Westen des Landes hat eine Verschiebung der Frontlinie tausende Bewohner in die Flucht getrieben. Ein großer Teil der Bevölkerung sei dadurch von medizinischer Hilfe abgeschnitten, berichtete die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

"Der Zugang zur Gesundheitsversorgung muss für die Bevölkerung gewährleistet werden", erklärte Nothilfekoordinator Mego Terzian. "Zivilisten dürfen nicht zum Ziel von Angriffen werden und Patienten müssen medizinische Hilfe erhalten können.“

Ärzte ohne Grenzen hat nach eigenen Angaben seit Anfang März zusammen mit den staatlichen Gesundheitseinrichtungen 450 Menschen in Abidjan behandelt, zwei Drittel davon waren Opfer der Kämpfe. Die Teams arbeiten im Krankenhaus Abobo-Süd, der einzigen Gesundheitseinrichtung in den nördlichen Vororten der Stadt, die noch regulär arbeitet. Am Donnerstag wurden 15 Patienten mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Noch immer halten sich viele Bewohner in Abidjan auf, auch wenn ein großer Teil der Bevölkerung am vergangenen Wochenende aus der Stadt geflohen sei, so Ärzte ohne Grenzen. Die Verbliebenen suchten Unterschlupf in Privathäusern in weniger umkämpften Vierteln oder versteckten sich in ihren Häusern. Nur im Notfall könnten sie zu den wenigen Gesundheitseinrichtungen gelangen, die noch geöffnet sind. Die meisten Ärzte und Pfleger seien geflohen. Zudem fehlten Medikamente und medizinisches Material.

Im Westen der Elfenbeinküste haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen drei Tagen mehr als 230 Verwundete in den Städten Bangolo und Douékoué behandelt. Besonders Duékoué ist stark von den Kämpfen betroffen. Ärzte ohne Grenzen behandelt hier Patienten und überweist schwerere Fälle, die eine Operation nötig machen, ins 30 Kilometer entfernte Bangolo. Dort arbeitet ein weiteres Team in dem einzigen funktionierenden Krankenhaus der Stadt. Auch in der Stadt Guiglo, in die Tausende geflohen sind, behandeln Mitarbeiter so gut es geht Patienten. Die Sicherheitslage macht die Evakuierung Verwundeter nach Douékoué und Bangolo äußerst schwierig.

"Die Bevölkerung leidet schon wieder unter den Konsequenzen der Kämpfe", sagte Renzo Fricke, Koordinator des Nothilfeeinsatzes von Ärzte ohne Grenzen. "Vor kurzem kamen etwa drei Frauen mit Schussverletzungen zu uns. Es kommen aber auch viele Patienten, die unter anderen gesundheitlichen Problemen leiden. Das reicht von schwerer Malaria bis hin zu komplizierten Geburten. Diese Patienten müssen ebenfalls dringend behandelt werden – aber weil sie sich nicht mehr frei bewegen können, ist oft ihr Leben in Gefahr."

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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