pro_wildlifeMünchen. - Der als "Heuschrecke" bekannt gewordene US-Investor Blackstone plant in Kamerun riesige Palmöl-Plantagen und will dafür Regenwald roden. Vom Kahlschlag bedroht ist ein Gebiet im Südwesten Kameruns mit besonders hoher Artenvielfalt. Die Artenschutz-Organisation Pro Wildlife ist entsetzt, denn stark bedrohten Tierarten wie Drill, Schimpansen und Waldelefanten würde damit wertvoller Lebensraum geraubt.

"60 Organisationen und Wissenschaftler haben sich unserer Bitte an den Forstminister Kameruns angeschlossen, die Plantagenpläne zu stoppen", erklärte Pro Wildlife-Sprecherin Sandra Altherr, die den Brief initiiert hat. Besonders verärgert die Artenschützer, "dass die Investoren dieses Projekt als Wohltätigkeit verkaufen - und über eine 'Entwicklungshilfeorganisation' namens 'All for Africa' Spenden für Palmölsetzlinge einsammeln".

Über ein kompliziertes Firmengeflecht planten Blackstone und seine Vertreter in Kamerun Palmöl-Plantagen auf insgesamt 70.000 Hektar im Südwesten Kameruns, so Pro Wildlife. Beteiligt seien die Firmen SD Sustainable Oils, Herakles Farms und Sithe Global und die Organisation "All for Africa", die um Spenden für Palmölpflanzen bittet. Herakles-Chef Wrobel argumentiere, dass mit den Plantagen in Kamerun Palmöl-Importe aus Indonesien eingespart und so die dortigen Regenwälder und Orang-Utans geschont würden.

Pro Wildlife ist skeptisch: "Wrobel plant den Kahlschlag ökologisch wertvoller Regenwälder in Kamerun. Das Argument, dass dies dem Wohle der indonesischen Wälder diene, ist zynisch", kritisierte  Pro Wildlife Sprecherin Sandra Altherr. Entwicklungshilfe leiste das Projekt ebenfalls nicht: "Industrielle Monokulturen wie Palmölplantagen haben oft katastrophale Folgen für die lokale Bevölkerung. Denn riesige Flächen werden dort blockiert, wo sie zuvor Waldprodukte traditionell nutzen konnten. Und den Reibach machen die US-Firmen, nicht die Landbevölkerung in Kamerun."

Beobachter vor Ort berichten Pro Wildlife zufolge, dass derzeit Firmenmitarbeiter von Dorf zu Dorf ziehen: Sie verschenkten lebende Schweine, Bierkästen und Reissäcke an die Dorfältesten, um den wachsenden Widerstand der lokalen Bevölkerung zu brechen. Herakles schaffe Fakten, noch bevor die Regierung Kameruns über das Projekt entschieden habe. "Herakles hat bereits tausende Palmensetzlinge in das Gebiet transportiert. Außerdem sind die Bulldozer schon in Stellung gebracht", berichtete Altherr.

60 Organisationen und Wissenschaftler haben sich nun dem Brief von Pro Wildlife angeschlossen, der den Forstminister Kameruns, Elvis Ngolle Ngolle, auffordert, den Regenwald zu erhalten. Unterzeichnet haben diesen Appell auch mehrere Organisationen aus Kamerun, die hoffen, dass Motorsägen und Bagger in letzter Minute doch noch gestoppt werden.

Die Palmölplantagen sollen an wichtige Schutzgebiete angrenzen, so Pro Wildlife: 30.000 Hektar seien zwischen dem Korup-Nationalpark und dem Rumpi Hill-Waldreservat geplant. Weitere 40.000 Hektar sollten östlich hiervon, nahe dem Bakossi-Nationalpark und dem Banyang Mbo Wildtier-Schutzgebiet, angepflanzt werden. Gefährdete Affen wie Drills, Preuss-Stummelaffen, Preuss-Meerkatzen und der Nigeria-Schimpanse (Pan troglodytes vellerosus), die seltenste Schimpansen-Unterart, haben in dieser Region ihre letzte Zuflucht. "Werden diese ökologisch nicht zu ersetzenden Wälder gerodet, verlieren seltene Affen und Waldelefanten ihren Lebensraum. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis vom Aussterben bedrohte Tiere den Wilderer zum Opfer fallen", warnte die Biologin Altherr.

Der Südwesten Kameruns hat nach Madagaskar die zweithöchste Biodiversität in Afrika. Seit 12 Jahren engagiert sich Pro Wildlife dafür, dass diese Artenvielfalt Kameruns erhalten bleibt: So unterstützt der Verein eine Auffangstation für Affenkinder, deren Familien gewildert wurden. Auch fördert die gemeinnützige Organisation ein Projekt zum Erhalt des Kagwene-Gorilla-Waldes sowie verdeckte Ermittlungen gegen Wilderer und Tierhändler.

www.prowildlife.de

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