buckelwal_wwfBerlin. - Die Internationale Walfangkommission (IWC) trifft sich vom 11. bis 14. Juli zu ihrer 63. Jahrestagung auf der englischen Kanalinsel Jersey. Neben der generellen Zukunft des Walfangs steht bei der Tagung vor allem die Forderung nach mehr Transparenz auf der Tagesordnung. Einen entsprechenenden Reformvorschlag hat England in die Kommission eingebracht.

Der Reformvorstoß Englands fordert, dass die IWC-Mitgliedsbeiträge von einem Regierungskonto des Mitgliedsstaates überwiesen werden. "Bei der IWC haben nur die Länder ein Stimmrecht, die auch bezahlt haben – da wurde der Obolus schon mal in letzter Minute noch mit Bargeld oder Kreditkarten aus dubiosen Quellen bezahlt", berichtete Sandra Altherr, Sprecherin der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. "Nur wenn es die IWC schafft, den jahrelang praktizierten Stimmenkauf Japans zu beenden, kann sie ihre Glaubwürdigkeit wiedererlangen", sagte Altherr, die an der Tagung in Jersey teilnimmt.

Auf der letztjährigen IWC-Tagung hatte die englische Zeitung "Sunday Times" enthüllt, dass alle Spesen des IWC-Vorsitzenden aus Antigua & Barbuda mit einer japanischen Kreditkarte bezahlt worden waren. Zudem wurde laut Pro Wildlife bekannt, dass IWC-Delegierte aus Zentralafrika und der Karibik mit Geldumschlägen, Prostituierten und großzügigen Reisen als Verbündete Japans gewonnen worden seien. "Ich selbst habe schon karibische Delegierte dabei beobachtet, wie sie zuerst im Konferenzraum online ihre Kontoauszüge kontrollierten, bevor sie sich an einer Abstimmung beteiligten", so Altherr.

In Island zeichne sich unterdessen ab, dass der Fang der großen Finnwale an Absatzproblemen scheitern könnte, erklärte Altherr. Weil die Isländer das zähe Walfleisch verschmähten, werde es nach Japan exportiert. 764 Tonnen habe der isländische Unternehmer Kristjan Loftsson 2010 nach Japan verschifft. Dort hätten Händler das Walfleisch jedoch als minderwertig eingestuft. "Das Fleisch wurde größtenteils weggeworfen – das macht Nachfolgeexporte unwahrscheinlich", sagte Altherr.

Auch für Zwergwale, von denen isländische Fischer laut einer Regierungsentscheidung 100 Tiere jährlich fangen dürften, gebe es keinen Absatzmarkt. Darüber hinaus könnte der geplante Beitritt Islands zur EU das Ende des Walfangs bedeuten: In EU-Gewässern ist die Jagd auf Meeressäuger strikt verboten. "Für Island gibt es keinen rationalen Grund, an der Waljagd festzuhalten", so die Pro Wildlife Expertin. "Es geht nur um die finanziellen Interessen eines einzelnen Unternehmers".

Seit 1998 fordert Brasilien die Einrichtung eines neuen Walschutzgebietes im Südatlantik. Dies sei bislang immer an der nötigen Dreiviertelmehrheit gescheitert, die von Japan mittels immer neuer Verbündeter verhindert worden sei, so Pri Wildlife. In diesem Jahr könnten die Abstimmungsverhältnisse günstiger ausfallen, "wenn einige Staaten aus der Karibik, Zentralafrika und dem Westpazifik keine Zuschüsse mehr aus Tokio erhalten". Japans Staatshaushalt sei durch den verheerenden Tsunami im März und die Atomkatastrophe von Fukushima strapaziert.

Pro Wildlife unterstützt grundsätzlich ein neues Walschutzgebiet, warnt aber vor Gegenleistungen an Japan: "Im Tausch für ein Stückchen Walschutz denken manche Delegierte bereits an Zugeständnisse wie zum Beispiel Fangquoten vor der japanischen Küste. Ein solcher Deal wäre ein viel zu hoher Preis für ein Schutzgebiet, in dem derzeit gar keine Wale gejagt werden", warnte Altherr.

Für Unruhe bei den Walschützern sorgte die Ankündigung der USA und Neuseelands, in diesem Jahr die Verhandlungen über einen umstrittenen "Kompromiss"-Vorschlag wieder aufnehmen zu wollen. Der auf der letzten IWC-Tagung gescheiterte Vorschlag sah vor, Japan, Island und Norwegen den Abschuss von 1.400 Walen jährlich zu genehmigen und damit das seit 1986 geltende kommerzielle Walfangverbot de facto zu beenden.

Pro Wildlife und andere Verbände hatten sich gegen diesen "Kompromiss" gestemmt und begrüßten, dass es keine Einigung gab. "In Japan, Island und Norwegen geht der Fang von Walen zurück – ausgerechnet jetzt Zugeständnisse an die Adresse der Walfangländer zu machen, wäre kontraproduktiv", so die Pro Wildlife Sprecherin. "Wir werden auch in diesem Jahr alles daran setzen, dass keine faulen Kompromisse zustande kommen".

Die Umweltorganisation WWF wies darauf hin, trotz des seit 1986 geltenden Walfangverbots würden weltweit bis zu 1500 Großwale pro Jahr erlegt. "Jeder Wal, der aus angeblich wissenschaftlichen Gründen erlegt wird, ist einer zu viel. Doch inzwischen sind Kollisionen von Walen mit Schiffen, die Lärmbelastung der Ozeane, der Abbau von Bodenschätzen wie Öl und Gas und der Beifang für viele Walarten weitaus problematischer als die direkte Jagd", sagte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. "Leider bewegt sich die IWC beim proaktiven Walschutz nur im Schneckentempo."

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