dahwWürzburg. - Fast neun Millionen Neuerkrankungen und fast 1,5 Millionen Todesopfer hat die weltweite Tuberkulose-Epidemie allein im Jahr 2010 gefordert. Rund 650.000 TB-Patienten waren an der gefährlichen multiresistenten Variante (MDR-TB) erkrankt. Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe warnt zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März vor einer Verharmlosung des Problems und fordert mehr Unterstützung für Diagnose und Behandlung von TB-Patienten.

Vor 30 Jahren, so die DAHW, dachten viele Mediziner, Tuberkulose könne schnell besiegt werden. Diese Hoffnung entstammte dem damals neu entwickelten Mix aus vier Antibiotika. Die einzelnen Medikamente waren zwar allesamt schon mehr als zehn Jahre alt, aber nur in dieser Kombination konnten sie die TB-Bakterien wirklich abtöten. Doch inzwischen haben die TB-Erreger Resistenzen gegen die Medikamente entwickelt. Die häufigste Form ist die multiresistente TB (MDR-TB). Deren Erreger sind gegen die zwei wichtigsten Medikamente der Standardtherapie resistent.

Weltweit sind 3,9 Prozent aller neuen TB-Patienten an MDR-TB erkrankt, schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Derzeit leiden rund 650.000 Menschen daran. Die langwierige Behandlungsdauer von rund zwei Jahren und teils schwere Nebenwirkungen sind oft Ursache eines Therapieabbruches.

Die größten Probleme gibt es nach Angaben der DAHW in den Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR: In Aserbeidschan (22%), Estland (15%), Kasachstan (14%), Moldawien (19%), Russland (16%), Tadschikistan (17%), der Ukraine (16%) und Usbekistan (14%) ist die Quote von MDR-Patienten besonders hoch.

Auch in Ländern mit durchschnittlicher Quote der MDR-TB sind die Zahlen erschreckend. Beispiel Pakistan: dort unterstützt die DAHW ein Hospital für die Behandlung von MDR-TB. Rund 4% aller neuen TB-Fälle sind dort multiresistent – bei der hohen Zahl von Neuerkrankungen mehr als 15.000 Menschen pro Jahr.

"Die Frage ist nicht, ob sich MDR-TB weiter ausbreitet, sondern sie muss lauten: Wie lange dauert es, bis die meisten Patienten mit der Standardtherapie nicht mehr behandelt werden können?", meint Dr. Joost Butenop, medizinischer Berater der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe.

Abhilfe könnten neue Medikamente bringen, die allerdings noch einige Jahre Forschung benötigen werden, bis sie eingesetzt werden können. Bis dahin müsse der Schwerpunkt auf einer besseren Diagnose für MDR-TB liegen, um Patienten mit resistenter TB gezielter behandeln zu können. so die DAHW.

Die hohen Kosten für Diagnose und Behandlung von Patienten mit MDR-TB werden Hilfswerke allein nicht leisten können. Hier fordert die DAHW mehr Unterstützung durch staatliche Stellen. Wenn die drohende MDR-TB-Epidemie außer Kontrolle gerät, würden die Kosten ohnehin entstehen und sogar noch deutlich höher werden als heute, so das Fazit der DAHW-Experten.

www.dahw.de

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