brasilien_kkw_angra_150Berlin. - Im Wirtschaftsministerium ist nach Recherchen der Umweltorganisation urgewald Ende letzter Woche ein neues Gutachten zum brasilianischen Atomkraftwerk Angra 3 eingegangen. Es setze sich mit der Situation in Brasilien nach Fukushima auseinander und prüfe Probleme wie Erdbeben, Erdrutsche, Hochwasser, Notfallstromversorgung und Evakuierungspläne, berichtete urgewald am Montag in Berlin. Das Gutachten werde vom Ministerium aber vorläufig nicht veröffentlicht.

Erstellt hat das Gutachten nach Angaben von urgewald das Institut für Sicherheitstechnologie (ISTec) im Auftrag von Areva, dem Unternehmen, das für Zulieferungen zu Angra 3 eine Hermesbürgschaft in Höhe von 1,3 Milliarden Euro beantragt hat.

Wegen der heiß diskutierten Kritik an Angra werde das Gutachten von Öffentlichkeit und Parlament ungeduldig erwartet, erklärte urgewald. Das Wirtschaftsministerium verweise jedoch auf rechtliche Prüfungen, ob das Gutachten herausgegeben werden kann. "Das ist ein Skandal", urteilte Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald. "Zur Beschwichtigung verweist das Wirtschaftsministerium bei allen kritischen Fragen auf das Gutachten, das diese beantworten soll. Und dann geben sie es nicht heraus, wahrscheinlich bis sie eine Entscheidung getroffen haben."

Urgewald beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit Angra 3 und kritisiert die Bürgschaftsvergabe, seit sie 2009 auf den Tisch kam. Urgewald und Greenpeace präsentierten Anfang März eigene Gutachten, die schwerwiegende Mängel an dem Projekt aufdeckten: So sei die Genehmigung für Angra 3 aufgrund einer fehlerhaften und unvollständigen Sicherheitsanalyse erfolgt, bei der Daten aus Deutschland statt Brasilien verwendet worden seien. Schon bekannte Risikofaktoren wie die Erdrutschgefahr und Flugzeugabstürze seien in der Genehmigung nicht oder nur unzureichend betrachtet worden, und der Standort von Angra 3 entspreche nicht einmal mehr den Kriterien, die der brasilianische Betreiber Eletronuclear heute selbst an die Auswahl von Atom-Standorten anlege.

Eine ehrliche Bewertung erwartet urgewald von dem neuen ISTec Gutachten nicht. "ISTec hat bereits 2009 ein Gefälligkeitsgutachten für Areva zu Angra 3 verfasst. Eine Anlage, die sie damals für sicher befunden haben, werden sie heute wohl kaum kritisch sehen. Damit das ISTec Gutachten von unabhängigen Experten, Parlament und Öffentlichkeit geprüft werden kann, fordern wir seine Herausgabe. Und zwar bevor die Bundesregierung eine Entscheidung zur Angra-Bürgschaft trifft", sagte Schücking. Gemeinsam mit anderen Organisationen ruft urgewald zu Protesten gegen die Bürgschaft bei Kanzlerin Merkel und Koalitionsabgeordneten auf.

www.urgewald.de

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