bananenhandel_suedwindBonn. - Ausbeutung, Krankheiten und Umweltzerstörung gehören noch immer zum internationalen Bananen-Handel. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie "Das krumme Ding mit der Banane: Ausbeutung auf den Plantagen in Costa Rica und Kolumbien", die am Freitag vom katholischen Hilfswerk Misereor und Südwind in Bonn vorgestellt wurde. Die Organisationen unterstützen die Forderung der europaweiten Kampagne "Make Fruit Fair!" an die EU-Kommission, die Einkaufsmacht der Supermärkte zu regulieren, um die gravierenden Folgen ungleicher Machtverhältnisse in der globalen Wertschöpfungskette zu reduzieren.

Supermärkte und multinationale Fruchtkonzerne spielten im Bananen-Handel eine zentrale Rolle, so Misereor und Südwind: Sie seien die mächtigsten Akteure in der globalen Wertschöpfungskette von tropischen Früchten. Produktion und Handel würden durch ihre Vormachtstellung geprägt. Für PlantagenarbeiterInnen und Kleinbauern in Lateinamerika bedeute dies, dass sich ihre Lebens- und Arbeitsverhältnisse weiter verschlechtern. "Das Zusammenspiel von Preiskampf im Einzelhandelsbereich, der Machtkonzentration im internationalen Großhandel und dem Überangebot auf den Weltmärkten führt zu einer Verschlechterung der sozialen Lage der ArbeiterInnen auf den Plantagen", erklärte Pedro Morazán, Experte für Weltwirtschaft bei Südwind und Verfasser der Studie.

Die Herausgeber begrüßten, dass in Deutschland inzwischen mehr als zwei Prozent der Bananen aus dem fairen Handel stammen, geben sich damit aber nicht zufrieden. "Dass es bei 98 Prozent der in Deutschland verkauften Bananen keinerlei Garantie gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gibt, ist ein unhaltbarer Zustand", sagte Armin Paasch, Welthandelsexperte bei Misereor. "Die Einhaltung von grundlegenden Arbeits- und Menschenrechten darf nicht auf Freiwilligkeit beruhen, sondern muss durch staatliche Kontrolle sichergestellt werden."

Die Regierungen und Gerichte vieler Produktionsländer würden dieser Verantwortung oft nicht gerecht. so Misereor und Südwind. "In diesen Fällen muss auch die EU aktiv werden, indem sie die Importeure und Supermärkte zur Transparenz und Einhaltung von Menschenrechten in der Lieferkette verpflichtet", forderte Paasch.

Die EU-Kommission kann zudem bessere Einkaufspraktiken der Supermärkte unterstützen, indem sie den zurzeit entwickelten Verhaltenskodex auch auf Nicht-EU/überseeische und indirekte Zulieferer bezieht. Beschwerden gegenüber den Behörden können so geäußert und durch einen Ombudsmann oder eine unabhängige Institution überprüft werden, so die Vorschläge der Make Fruit Fair Petition.

Die Kampagne "Make Fruit Fair!" sammelt europaweit noch bis Ende Mai Unterschriften für diese Petition. Darin wird der Präsident der EU-Kommission, Manuel Barroso, auch aufgefordert, eine Neugestaltung des Wettbewerbsrechtes zu initiieren. "Dies ist der einzig effektive Weg, um den negativen Folgen des unregulierten Wachstums der Supermarktmacht zu begegnen", erklärte Bettina Burkert, Koordinatorin der Make Fruit Fair!-Kampagne.

www.suedwind-institut.de
www.misereor.de
www.makefruitfair.de

Back to Top

Wir nutzen ausschließlich technisch notwendige Cookies auf unserer Website.